Tag Archives: softwareentwicklung

IT architecture

Rethink reuse

Although I cannot share details of my current work except of fancy presentations there’s one general topic that keeps haunting me in a lot of discussions: The question of reusing code and components across platforms, target audiences, use cases, etc.

At first glance it looks like a brilliant idea: You build something once and use it several times for various use cases. Technicians love such a concepts because they’re motivated by complex problems; business people of course are fond of possible cost-reduction; IT architects love to draw boxes with arrows around them and usually feel big pain when comparable boxes appear twice in their diagrams.

The problem: Good ideas do not always work out. And what annoys me the most is the fact that software reuse seems to be an unchallenged goal, a mantra nobody dares to question. A lot of the obvious side-effects are rarely considered when going for reuse, such as:

  • growing complexity by serving additional requirements. This complexity exists in many areas, e.g. coding, testing, decision-making, etc.
  • operational issues by serving multiple target groups/stakeholders, e.g. when can you do a maintenance window?
  • losing advantages you’d have from very focused implementations, e.g. performance, optimized UX, etc.

The Space Shuttle: a terrible example of reuse

Let’s look at an example outside of my world of IT: The Space Shuttle – or better called the Space Transportation System (STS) – is an almost perfect case study where cost reduction and related benefits where promised from reusing components.

Just by looking at the picture below you can actually see (or at least imagine) all the parts which were only needed to fulfill reuse: wings with their heat shield, a tail, landing gear including unnecessarily heavy tyres, a fully functional cockpit for landing, solid liquid boosters (two rockets on the side) which fell down back into the ocean, etc.

As it turned out the Space Shuttle was limited in capacity, only reached low orbits, was more expensive and eventually killed more people than any other comparable space launch system. (A nice read on forbes.com)

Space Shuttle Launch
One of the most impressive vehicles ever built – and a total fail: The Space Transportation System.

Not being an expert on space travel let’s get back to IT. The example above just shows that there was tremendous overhead just to satisfy the requirement of reuse. As an architect I will in the future try to think twice and try to locate the space shuttle projects amongst my tasks. Reusing stuff is really cool, but only as long as it makes sense.

IT explained

Mathias at openslava

Nach inzwischen mehr als zwei Jahren in sehr unterschiedlichen Rollen für George, fragen mich Freunde und frühere Weggefährten oft, was ich in der Bank denn so tue. Vielleicht erklärt’s ja mein Talk bei der openslava 2016😉

IT explained

George bloggt

2012 habe ich an dieser Stelle über IT in Banken gebloggt. Dass ich zweieinhalb Jahre später selbst tief drinnen in der IT einer Bank arbeite, hätte ich damals nicht gedacht. 

Als Teil des Teams rund um George gibt’s nun einen Beitrag über Sicherheit und Datenschutz – ein wirklich spannendes IT-Thema im Kontext von Bankensoftware! Hier geht’s zu meinem Artikel im George Blog.

Und die Tatsache, dass es besser geschrieben ist, als die Texte hier in meinem Blog, liegt an meinem Ghostwriter Dag;-)

politisches

Google zerschlagen?

Seit vergangener Woche wird auf europäischer Ebene heiß über die Zerschlagung von Google diskutiert – und diese politische Initiative ist bereits ziemlich erfolgreich: Die Welt, 28.11.2014

Als Fanboy von Google habe ich damit ein großes Problem.

Was nämlich zunächst nirgendwo in den Anträgen und Berichten auftaucht ist, dass die – vorwiegend deutsche – Initiative großteils von Medienhäusern getragen wird, die ihre traditionellen Geschäftsmodelle gefährdet sehen. Und da kann man schon mal den Datenschutz oder freien Markt missbrauchen, um einen innovativen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.

Mir tut Google nicht leid, und ich fände es für den Werbemarkt auch besser, wenn wir konkurrierende Suchmaschinen hätten. Aber eine Lex Google aus den falschen Motiven hat nunmal nichts mit Demokratie zu tun.

Google, der Weltkonzern

Trotz aller medialer Präsenz – gemessen am Umsatz hat Google die Größe der OMV. So sehr der Technologiekonzern auch Treiber von Innovation und Wachstum sein mag, ein global unbedeutender Energiekonzern aus Österreich macht mit wenig Millionen Kunden dasselbe Geld.

Google, die Datenkrake

Was Googles Suchmaschine über mich zu wissen glaubt, lässt sich in den Anzeigeeinstellungen nachsehen. Laut Google bin ich zwischen 45 und 54 Jahren alt. Meine angeblichen Interessen reichen von Bankwesen, Online-Video (ok, das stimmt), über Essen und Trinken sowie Bücher und Literatur (bei wem wohl nicht?) zu Rap, Hip-Hop und Ego-Shootern (äh, nein!). Solange mein Werbeprofil derart “treffsicher” ist, fürchte ich mich nicht vor der kalifornischen Datenkrake.

dsd
Meine Interessen laut Google. Vor dieser “Allmacht” habe ich keine Angst.

Interessanter als mein Werbe- bzw. Interessensprofil sind die privaten Inhalte in Gmail oder Drive. Unangefochten an der Spitze der Bedenklichkeit steht wohl die Location History, die ich aber auch freiwillig verwende.

Wo war ich punktgenau am 28.11.2014?
Wo war ich punktgenau am 28.11.2014?

Und genau diese Freiwilligkeit ist es, die Google mir stets zulässt (und die ich anderswo sehr wohl vermisse). Niemand zwingt mich, Google Produkte zu verwenden. Selbst deren Betriebssystem Android ist derart offen, dass ich innerhalb des Ökosystems genügend Alternativen zum Suchen, Browsen und Mailen vorfinde.

Google, der Monopolist

Ich kann problemlos Chrome gegen Firefox und die Suche gegen Bing oder DuckDuckGo tauschen. Ich wurde seitens Google noch nie in eine Ecke gedrängt. Ganz anders ist da beim mir verhassten Microsoft Office oder iOS – entweder man ist dabei oder eben nicht. Apple geht ja sogar so weit, die Hardware auch noch vorzuschreiben.

Aber damit haben letzlich deutsche Verlage kein Problem, sondern die würden sich ja sogar wünschen, das Apple der Welt das Kopieren digitaler Inhalte gegen eine Gebühr von 30% verunmöglicht.

Google, die Erfolgsmaschine

Google setzt den Großteil der hauseigenen Projekte ziemlich in den Sand – eine Nebenwirkung der für mich unvorstellbaren Innovationskraft des Konzerns. Oder erinnert sich noch jemand an knowl, answers, wave, usw? Das Asset von Google ist letztlich eine unerreichbar gute Suche. So unrreichbar gut, dass Microsoft noch so viel Geld in Bing stecken konnte, ohne dass es auch nur annähernd an die Qualität herankommt. Eigenartig, geht es letztlich doch “nur” um Mathematik, was ansich zu kopieren sein sollte.

Abfallprodukt der gescheiterten Projekte sind unzählige OpenSource-Projekte, -Libraries/-Frameworks, die im Google-Umfeld wachsen und finanziell unterstützt werden.

Als Unternehmer verdiene ich damit über Umwege gutes Geld und zahle meine Steuern. So funktionieren Innovation und Wachstum.

Mein Deal mit Google

Der Deal mit Google ist mir letztlich klar: Auf Basis eines Werbeprofils verdient Google gutes Geld, ich nutze dafür frei von Kosten oder Verpflichtungen Services, für die traditionelle Unternehmen tausende Euro pro Mitarbeiter und Jahr hinlegen. Und zusätzlich fällt aus der Google-Maschinerie das ein oder andere Projekt heraus, das ich ohne Lizenzzahlung zu Geld mache.

IT und Europa

Als Europäisches Parlament würde ich mir vielmehr die Frage stellen, warum es in Europa de facto keine IT-Konzerne (mehr) gibt. Vielleicht liegt es ja an der Rechtslage zum Thema Datenschutz (in Österreich krankhaft in Kombination zum Amtsgeheimnis), an Bürokratie und Steuern?

tldr;

Das Europäische Parlament will auf Druck von Verlagshäusern Google zerschlagen. Ich “freue” mich schon jetzt auf den damit verbundenen Wegfall der Gratisangebote wie Mail oder Drive. Andere IT-Konzerne sollten der EU vielmehr Dorn im Auge sein, aber die kooperieren letztlich mit den Inhabern geistigen Eigentums.

IT explained

sclable: Das “rapid everything” ERP

Vergangene Woche hatte ich das Vergnügen, an einer sneak peek für ein überraschend neuartiges ERP-System teilzunehmen. Das Wiener Startup sclable tritt an, um das SAP oder Oracle von morgen zu werden. Die Ansage ist natürlich zu stark, um zu halten, aber dennoch ist das Produktkonzept mehr als nur einen Blick wert.

Ich würde sclable als Scaffolding Framework mit Workflows und hübschem UI beschreiben. Sagt vorerst wenig: Man kann damit jedenfalls sehr schnell individuelle Workflows in Software gießen und bleibt überdies flexibel. Es klingt ein wenig nach Heiligem Gral der Softwareentwicklung: Vorteile von Standard- und Individualsoftware vereint in einer Lösung, das Ganze durch geschulte Mitarbeiter in Eigenregie durchführbar.

sclable besetzt mit dieser Idee eine – zumindest für mich – komplett neuartige Nische im Unternehmen irgendwo zwischen zur Unhandhabbarkeit gewachsenen Excels, dem von Haus aus unhandhabbaren Sharepoint, der schwerfälligen Business Class mit SAP Workbench oder Oracle Forms sowie der Plugin-Architektur von WordPress.

Bereits nach der kurzen Einführung würde ich mir zutrauen, beispielsweise einen Bestellworkflow für ein mittleres Unternehmen mit sclable innerhalb weniger Stunden umzusetzen. So schnell, wie ich in sclable editiere, kann ich beim besten Willen nicht programmieren.

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sclable at its best: Im Handumdrehen erstellte Entitäten werden mit beliebig komplexen Workflows verknüpft. Die graphische Darstellung ist bereits der halbe Weg zur Dokumentation.

Damit kommen wir zum wirklichen Vorteil: Durch die enorme Geschwindigkeit wachsen Spezifikation, Umsetzung, Test und Dokumentation zusammen. Es ist also vorstellbar alle Präsentationen, Powerpoints, e-Mails und Telefonate zu skippen und gleich gemeinsam mit dem Kunden loszulegen. Solange also die Aufgabenstellung zum Kern von sclable passt (“Mehrbenutzer-Workflow rund um ER-Modell”), ist’s ein Wahnsinns-Tool.

“Don’t ever fight a framework!”

Den Punkt, wo Customizing zur Vergewaltigung wird, darf man allerdings – wie bei jedem anderen Framework auch – nicht übersehen. Dann endet man schließlich wiederum in der Individualentwicklung, und hier würde ich dann generell zu Python/Django greifen. (Nun ja, da greife ich fast immer hin.)

Was paranoide oder Policy-geplagte CIOs beruhigen dürfte, ist außerdem die Info, dass das Produkt nicht nur als SaaS sondern auch on-premise laufen soll. Dank API sind Daten außerdem exportierbar, was langfristige Abhängigkeiten ohne Ausweg unterbindet.

Nachteil ist womöglich PHP als Runtime. Technisch ist es einfach pfui wegen fehlender Namespaces einer besch*** Standard Library, Patch-Wahnsinn, usw. Entwickler gibt’s jedoch genug. (Und mit Wikipedia oder Facebook gibt’s zugegebenermaßen ziemlich große PHP-Projekte, wo auch niemand über die Programmiersprache schimpft…)

Ich bin gespannt auf den Launch und weitere News von sclable.at!

Edit: Markus Nenning hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ERP eine nicht ganz korrekte Schublade für das Produktkonzept ist. Ich hab’s dennoch beim Titel belassen, da man sich mit bekannten Kategorien einfach leichter tut. Aber klar, mit der Flexibilität von sclable könnte man auch ganz andere Schubladen füllen – von Projektmanagement über CMS bis hin zu einem Universitätsverwaltungssystem.

business

Verabschiedet euch von euren IT-Abteilungen!

Ich sitze beim Offline-Breakfast[1] mit meinem Freund Andreas, und dieser meint, die IT-Leute werden immer mehr zu Hausmeistern und umgekehrt. Hintergrund ist die Konvergenz aller (Haus-)Technik hin zu IP-Netzwerken sowie die zunehmende Standardisierung von IT-Basisdiensleistungen.
Der ITler in mir verkrampft sich bei solchen Aussagen; vor allem auch deshalb, weil Andreas damit recht hat und somit einen wunden Punkt trifft. Allerdings gebe ich ihm nur zu 90% recht, und über die wichtigen 10% will ich hier nun bloggen:

Die IKT ist eine Geheimwissenschaft. In beinahe jedem Unternehmen zeigt sich dasselbe Bild: Die Techniker sitzen auf enormen Budgets, deren Verwendung nahezu immer intransparent ist. Fachabteilungen beschweren sich über Trägheit der IT, diese wiederum kontert mit Nicht-Machbarkeit, Ressourcenengpässen, Performanceproblemen oder Sicherheitsrisiken – nicht selten alles Probleme der selbst gewählten Systemlandschaften. (…)

Durch den hohen Erfolg der Automatisierung und den damit verbundenen raschen Aufstieg des IKT-Personals während der letzten zwanzig Jahre entscheiden heute nun die “Zangler” über Kernthemen des Unternehmens. (Zur Etymologie des “Zanglers”: Dieser arbeitet mit Werkzeug statt Hirn – also Zange – und steckt PC-Bauteile unterm Schreibtisch zusammen.) Die Situation ist wohl nicht gesund für ein Unternehmen, das vom Umsatz abzüglich der Kosten leben muss.

Der Aufbau eines typischen Unternehmens ist dabei wie folgt:

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IKT innerhalb einer typischen Unternehmensstruktur: Ein Bereich neben dem anderen.

Lösung: Outsourcing?

Viele Unternehmen reagieren auf die oben geschilderte Situation mit teils radikalem Outsourcing. In der Hoffnung, IKT-Kosten langfristig zu senken, werden Telefon, Server, Software & Co. an IT-Dienstleister weitergereicht. Die Hotline verschwindet so in Indien, die Softwareentwicklung in Osteuropa und die Anwendungen selbst in der nicht näher lokalisierbaren Cloud.

Den gesunkenen Betriebskosten steht nun aber gestiegener Management-Overhead gegenüber: Über die Grenze von Unternehmen, Zeitzonen, Sprachen und Kulturen lassen sich Projekte nunmal nicht so einfach durchführen. (Dass Outsourcing in der Softwareentwicklung selten klappt, ist im Plädoyer gegen Outsourcing schön auf den Punkt gebracht.)

Fazit bislang: Die Zangler haben die Macht im Unternehmen übernommen, und Outsourcing ist auch keine Lösung.

Lösung: In- und Outsourcing parallel

Ich erkenne in Unternehmen den zunehmenden Trend, gleichzeitiges In- und Outsourcing nicht als Widerspruch zu sehen. Dabei werden die Allerweltsprodukte, die commodities, ausgelagert und parallel dazu die (Weiter-)Entwicklung strategischer Kernanwendungen ins Unternehmen (zurück) geholt.

Konkret heißt das, dass der Betrieb von Servern oder die Wartung von Office-PCs günstiger von Externen gemacht werden. Anwendungen entlang der eigenen Wertschöpfungskette sollten aber im Haus wachsen. (Wäre ich etwa eine Bank, würde ich nie und nimmer mein Online-Banking aus der Hand geben – die Bankomaten kann aber jemand anders warten.)

Unternehmen sollten erkennen, dass zwischen dem I (Information) und dem KT (Kommunikationstechnologie) ein enormer Unterschied besteht.

Information ist eine einzigartige Ressource im Unternehmen. Anders als Rohstoffe ist sie beliebig speicherbar. Anders als Geld ist sie beliebig kopierbar und nicht zu lenken. Die Ressource Information, die ich meine, hat weniger mit Bits und Bytes, als mit den Menschen, die sie entdecken, anwenden und verteilen zu tun.

Information ist Schnittstellen-Thema ansich. Das war immer schon so, nur fällt es uns immer mehr auf. Heute baut man kein Produkt mehr und bietet keine Dienstleistung an, ohne zuvor hunderttausende Daten gesammelt und ausgewertet zu haben. Heute kann nur noch in den seltensten Fällen ein Einzelner etwas mit entscheidendem Mehrwert erschaffen und verkaufen. Produkte und Prozesse sind enorm komplex, die gegenseitigen Abhängigkeiten unüberblickbar.

Wir benötigen Information und keine Diskussionen über Windows-Updates, Speichervolumina oder Verkabelungen. Spiegelbildlich wäre das ja so, wie wenn sich Personalabteilungen über Bürosessel Gedanken machen würden, weil ja immerhin die Mitarbeiter darauf Platz nehmen.

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IKT wie sie sein sollte: 90% der Themen gehören ausgelagert, Information als strategische Ressource allerdings zur Chefsache erklärt.

Information ist Chefsache und fällt idealerweise auf strategischer Ebene mit der Geschäftsführung zusammen. Fragestellungen sind etwa: Wie funktioniert mein idealer Akquise-, Bestell-, Liefer- oder Reklamationsprozess? Auf operativer Ebene heißt es dann diese Idealbilder in konkrete Systeme zu gießen, Verantwortlichkeiten zu benennen, Schulungen durchzuführen, Erfolg zu messen und gegebenenfalls nachzubessern, notfalls sogar Software anzuschaffen. Was aber wohl öfter gebraucht wird: Eine IKT-Schlankheitskur, wo deinstalliert anstatt hinzugefügt wird.

Wer an diesem Punkt nun Sicherheit und Datenschutz einwerfen will: Das Argument mit den Datenschutzrisiken konsequent weitergedacht, müssten wir ja auch unsere eigenen Zahlungsverkehrssysteme, Internetprovider und Mobilfunker betreiben. Outsourcing bleibt das Um und Auf bei Basisinfrastruktur.

Softwareentwicklern mit Gespür für betriebliche Problemstellungen steht eine goldene Zukunft bevor. Codemonkeys und Zangler hingegen werden in den kommenden Jahren enormen Kostendruck zu spüren bekommen.

tldr;

Liebe Unternehmen: Schiebt eure Server zu Google, aber kümmert euch um euer Personal!

[1] Über das Format “Offline-Breakfast” sollte ich auch noch bloggen. Es geht jedenfalls darum, in ca. zwei Stunden ohne Ablenkung durch Smartphone & Co. über die Zukunft zu plaudern. Das Ganze findet früh morgens samt gutem Essen statt.

business

IT Jobs 2014

Eines meiner Privilegien als FH-Lektor ist es, Studierende an (für mich) spannenden Themen arbeiten zu lassen. Danke also an Doris Schweng für Recherche und hervorragende Aufbereitung der Jobsituation in Österreich für IT-Kräfte. Hier also die wichtigsten Punkte:

Gehälter

System- und Netzwerkadministrator
                    von        bis (brutto)
Einstieg            1.940,00   2.250,00
6-8 Jahre Erfahrung 2.500,00   3.660,00

Datenbankadministrator
                    von        bis (brutto)
Einstieg            2.040,00   2.270,00
6-8 Jahre Erfahrung 3.000,00   4.100,00

SoftwareentwicklerIn
                    von        bis (brutto)
Einstieg            2.040,00   2.270,00
6-8 Jahre Erfahrung 3.100,00   4.275,00

IT LeiterIn
                    von        bis (brutto)
Einstieg            2.880,00   3.000,00
6-8 Jahre Erfahrung 4.640,00   6.960,00

Daten stammen von AMS und Metajob. Zu meiner großen Verwunderung empfindet meine FH-Gruppe die (rechten!) Gehälter als eher niedrig.

Was sind die Trends?

Gefragt

  • UX Skills (Produktentwickler)
  • Cloud expertise
  • IT security
  • Big data analysis

Weniger gefragt

  • UI Design (Grafikdesign ist inzwischen zu wenig)
  • SAP & Oracle (zunehmendes Outsourcing)
  • iOS native (siehe: Schluss mit den Apps!)

Programmiersprachen

metajob
Das Portal metajob.at bietet hervorragende Einblicke in den Jobmarkt für IT-Kräfte.
  • HTML5/JavaScript
  • Java
  • Python
  • Scala
  • Ruby

Achtung: Die Daten stammen von TechRepublic, und ich vermute, dass die Situation hier in Europa etwas traditioneller aussieht. Folglich weniger “heißer Scheiß” und mehr C#, Java und SAP gefragt.

War for talents

“Es gibt keinen gut ausgebildeten IT-Spezialisten, der arbeitslos und auf Jobsuche ist.”

Es herrscht enormer Fachkräftemangel. Suche erfolgt zunehmend über Headhunter.

tldr;

Wer noch nicht programmieren kann, sollte sich spätestens jetzt das Python Tutorial anschauen. Wer bereits in der Softwareentwicklung tätig ist: Gratulation, wir sind Teil einer privilegierten Gruppe, die Spaß am Job hat und dabei sehr gut bezahlt wird. Sollten Spaß und/oder Bezahlung aktuell nicht passen, dann ist es wohl Zeit zu wechseln.

business

Selbständig neue Wege gehen

Nach spannenden Jahren an der WU ist es für mich an der Zeit, einen neuen Weg zu beschreiten.

Und da ich wohl kaum einen abwechslungsreicheren Job als meinen bisherigen finden werde, führt der Weg in die Selbständigkeit.

Die Firma ist gegründet, sie heißt c99 und wohnt (noch) daheim im Bügelzimmer, die ersten Umsätze sind getan, und – am Wichtigsten – es macht wirklich Spaß!

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Visitenkarten druckfrisch in den Händen meiner Grafikerin.

Manage complexity

Business und IT sind unglaublich komplex – oder schlimmer noch – kompliziert. Ein zentrales Thema meiner bisherigen Arbeit war der langfristige Umgang mit betrieblicher Komplexität. Dazu zählen unklare Anforderungen genauso wie häufige Änderungen, Zeitdruck, Ressourcenmangel oder externe Gesetzgebung.

Ich habe an der WU vermutlich um die zwei Millionen Zeilen Code geschrieben und dabei wohl jeden Fehler begangen, aber – anders als externe Berater – diese auch selbst ausbaden müssen. Ich habe mich in unzähligen Umgebungen (Webanwendungen, Data Warehouse, Zutrittskontrollsysteme, Smartcards, SAP FI/CO und HCM, Kiosk Terminals) und Programmiersprachen (Python, JavaScript, Perl, PL/SQL, C, ABAP, Java, PHP) ausgetobt.  Ich habe viel gelernt und habe nun ebenso viele Ideen.

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“Wie gründe ich eine GmbH?”, angewandte Komplexitätsreduktion: Mein Weg zur eigenen Firma.

Ich werde mich dem Thema Komplexität widmen – sei es als Berater, Entwickler oder in einer gänzlich anderen Rolle. Die Nachfrage danach ist jedenfalls enorm.

What’s in a name, what’s in a logo?

Abschließend nun ein wenig Namens- und Logo-FengShui, weil ich sehr oft gefragt wurde, was denn c99 zu bedeuten hätte.

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Logo und Subline der c99 Business Services GmbH.

Das c steht für 100 Begriffe wie createconsult, code, communicatecompete oder cooperate – jedenfalls nicht für complicate. Den guten 99 will ich mich widmen, complicate gilt es zu verhindern. Außerdem sind die 99 eben nicht 100 – für manche hat das den Touch von unfertig, für mich von Effizienz und Pragmatismus. Aber wer beim nächsten Waschmitteleinkauf 10,99 zahlt und dabei an c99 denkt – auch ok.

Das Logo wiederum spielt mit einer Referenz zur Chemie: Unsere physische Welt besteht aus lediglich knapp über hundert Elementen. Die unglaubliche Vielfalt wird erst durch Kombinationen dieser wenigen Einzelteile erreicht. Modularität spielt jedenfalls auch in der IT eine herausragende Rolle. Die stilisierten Atombrücken – in der IT würde man sie Interfaces nennen – stellen diese Kombinationsmöglichkeiten dar.

Und ganz nebenbei: Das kleine c ist der 99. Buchstabe im Unicode.

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Mathias ist jetzt selbständig. Abseits des esoterischen Namens und Logos bestehen inzwischen echte Umsätze.

Webseite der c99 Business Services GmbH

IT project management

Campus WU: Drei Jahre in drei Minuten

Drei Jahre intensive (Projekt-)Arbeit, oder physikalisch ausgedrückt: Große Masse mal hoher Geschwindigkeit mal viel Weg.

“Man muß ins Gelingen verliebt sein, nicht ins Scheitern.”
Ernst Bloch

Door Signs

Über 200 Stück am gesamten Campus verteilt: Starten und aktualisieren sich über Netzwerk, gehen nachts schlafen, lesen Blinden die Belegung vor und kosten dabei ein Viertel der ursprünglichen Planung.

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61 der über 200 Displays vor Ort. Die angezeigte MAC-Adresse diente als Key bei der Inbetriebnahme.

Blogs dazu:

Self Service Terminals

Zehn Selbstbedienungsautomaten vor dem Study Service Center: Eine technische Herausforderung, barrierefrei, verbesserte Usability und – nach wahnsinnig stressiger Inbetriebnahme – inzwischen stabil.

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Zwischenzeitlich haben tausende Studierende die Self Service Terminals im Library Center genutzt. (Sechs Terminals im Bild mittig; © Mathias August 2013)

Blogs dazu:

Final-Teilnahme beim Niederösterreichischen Innovationspreis.

Rooms

Dezentrale Raumbuchung für knapp 30.000 Benutzer_innen: Inhaltlich ist es Logistik pur samt dynamischer Lagerhaltung, Simulation, Statistik und passenden Visualisierungen. Rein technisch eine Herausforderung in JavaScript.

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Screenshot: User Interface der Raumbuchung für Studierende.

Blogs dazu:

Byte Bar und Leitsystem Terminals

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Die ByteBar- und Leitsystem-Terminals vor der Montage am Campus WU; Codename “Super-Toblerone”.

Surfstationen mit Login mittels berührungsloser Karte; Touchschirm, barrierefrei. Das Schwesterprojekt “Leitsystemterminal” dient zur Orientierung am Campus.

Blogs dazu:

API

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Digital Signage Screens, die prominentesten Kunden unserer Lehrveranstaltungs-Daten API.

Viele unserer Daten sind – auch öffentlich – über Programmierschnittstellen verfügbar. So greifen alle hier beschriebenen Services auf dieselben Daten zurück, überall liest dieselbe Stimme Blinden vor, überall läuft dieselbe Logik, das Design ist gleich: managing complexity eines übergroßen Projekts eben.

Identmedien RFID

Eine Studierende holt sich einen Ausweis, verschließt ihre Sachen in einem der 3.600 Spindkasteln, bezahlt anschließend bargeldlos in der Mensa und öffnet einen gebuchten Projektraum: Keine Selbstverständlichkeit, läuft aber (immer besser).

Campus GIS

Geo-Informationssystem des Campus WU: Verortung von Personen und Organisationen, Suche nach POIs, Modellierung eines Routingnetzwerks zur Navigation, Flug einer Drohne für hochauflösende Luftbilder. Tool live: gis.wu.ac.at

Detaillierte Pläne, Suche, Routing bis hin zum Buch
Im Screenshot: Detaillierte Pläne der Regale zum Auffinden von Büchern in der Universitätsbibliothek.

Thanx + Uff!

Gerne würde ich hier behaupten, ich hätte das Alles programmiert, habe aber dann doch oft nur E-Mails geschrieben oder bin in endlosen Meetings gesessen. Ich musste langweilige Ausschreibungstexte querlesen, extern erdachte Konzepte ertragen, Kostenschätzungen durchs Haus schicken, Ideen verteidigen und am Widerstand Dritter scheitern sehen… Vier Befestigungsschrauben meiner Terminals kosteten mich so ein halbes Jahr Abstimmungsaufwand.

Als im Feuer getaufter Planerschlossertischlerdesignerentwickler kann ich nun verorten, kollaudieren, ausschreiben, beschaffen, eintakten, einbringen, einkippen, und Katzen hüten. Ich habe am Weg viele beeindruckende Menschen kennengelernt und dafür bin ich dankbar.

Es war ein Heidenspaß, ein Riesenstress und manchmal auch ein Mordsärger, vor allem aber war’s einzigartig und großartig. Wann und wo wird also der nächste Campus gebaut?

IT project management

Kommerzielle Software, Open Source oder Eigenentwicklung?

Mit meiner Studierendengruppe an der FH-Wien habe ich Vor- und Nachteile unterschiedlicher Lösungswege bei der Softwareauswahl diskutiert. Wohl wissend, dass es Mischmodelle gibt, haben wir zunächst drei Extremfälle herausgearbeitet:

  • Kommerzielle und gleichzeitig proprietäre Software – also im Idealfall ein Standardprodukt, welches das betriebliche Problem abdeckt. Es wird lizenziert, dazu gibt es Wartungsverträge, der Anbieter kümmert sich um Installation, Roll-Out und Betrieb.
  • Nicht-kommerzielle, freie Software – also im Idealfall ein Open Source Projekt samt aktiver Community, welche ebenso an dem Problem arbeitet. Das Unternehmen kümmert sich selbst um Installation, Roll-Out und Betrieb.
  • Eine in-house oder externe (Eigen-)Entwicklung – also eine Software, die erst geschrieben werden muss. Noch lange vor der Installation gibt es also ein Softwareprojekt mit Anforderungsanalyse, Umsetzung, Tests, usw.

Sinn der Diskussion war zu zeigen, dass es keine universell beste Lösung gibt. Vielmehr konnten wir fünf Ziel-Kriterien definieren, die in Konkurrenz zueinand stehen:

  • Investitionskosten
  • Folgekosten
  • Geschwindigkeit (Projektdurchlaufzeit)
  • Risikominimierung (Wie “sehr” darf dieses Projekt nicht schief gehen?)
  • Flexibilität (Anpassungsfähigkeit, Weiterentwicklungen)

Lege ich meinen Fokus etwa auf maximale Flexibilität, so werde ich bei der Eigenentwicklung landen. Denn hier stehen mir sämtliche Freiheitsgrade offen, das Ganze allerdings zum Preis der Geschwindigkeit.

randbedingungen
Das Software-Fünfeck.

Im konkreten Einzelfall sind uU einige Kriterien gut miteinand zu vereinbaren, in anderen Situationen widersprechen sie sich total. Die fünf Punkte werden allerdings bei der Zielsetzung von Softwareprojekten hilfreich sein.

Parallel zu diesen Zielkriterien konnten wir drei Randbedingungen herausarbeiten, die den Entscheidungsprozess begleiten. Auch hier gilt, dass die Punkte an die konkrete Situation angepasst werden. IT-Sicherheit wiegt für eine Bank wohl deutlich höher, als für einen Sportverein. Die Randbedingungen sind:

  • Sicherheit
  • Zufriedenheit (Usability)
  • Bestehendes Ökosystem (Passt dieses neue Stück Software in meine IT-Landschaft?)
ddd
Die Randbedingungen.

Wer Interesse an einer Checklist für die Auswahl konkreter Software-Produkte hat, dazu gab’s bereits einen Blog-Beitrag.