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IT Jobs 2014

Eines meiner Privilegien als FH-Lektor ist es, Studierende an (für mich) spannenden Themen arbeiten zu lassen. Danke also an Doris Schweng für Recherche und hervorragende Aufbereitung der Jobsituation in Österreich für IT-Kräfte. Hier also die wichtigsten Punkte:

Gehälter

System- und Netzwerkadministrator
                    von        bis (brutto)
Einstieg            1.940,00   2.250,00
6-8 Jahre Erfahrung 2.500,00   3.660,00

Datenbankadministrator
                    von        bis (brutto)
Einstieg            2.040,00   2.270,00
6-8 Jahre Erfahrung 3.000,00   4.100,00

SoftwareentwicklerIn
                    von        bis (brutto)
Einstieg            2.040,00   2.270,00
6-8 Jahre Erfahrung 3.100,00   4.275,00

IT LeiterIn
                    von        bis (brutto)
Einstieg            2.880,00   3.000,00
6-8 Jahre Erfahrung 4.640,00   6.960,00

Daten stammen von AMS und Metajob. Zu meiner großen Verwunderung empfindet meine FH-Gruppe die (rechten!) Gehälter als eher niedrig.

Was sind die Trends?

Gefragt

  • UX Skills (Produktentwickler)
  • Cloud expertise
  • IT security
  • Big data analysis

Weniger gefragt

  • UI Design (Grafikdesign ist inzwischen zu wenig)
  • SAP & Oracle (zunehmendes Outsourcing)
  • iOS native (siehe: Schluss mit den Apps!)

Programmiersprachen

metajob

Das Portal metajob.at bietet hervorragende Einblicke in den Jobmarkt für IT-Kräfte.

  • HTML5/JavaScript
  • Java
  • Python
  • Scala
  • Ruby

Achtung: Die Daten stammen von TechRepublic, und ich vermute, dass die Situation hier in Europa etwas traditioneller aussieht. Folglich weniger “heißer Scheiß” und mehr C#, Java und SAP gefragt.

War for talents

“Es gibt keinen gut ausgebildeten IT-Spezialisten, der arbeitslos und auf Jobsuche ist.”

Es herrscht enormer Fachkräftemangel. Suche erfolgt zunehmend über Headhunter.

tldr;

Wer noch nicht programmieren kann, sollte sich spätestens jetzt das Python Tutorial anschauen. Wer bereits in der Softwareentwicklung tätig ist: Gratulation, wir sind Teil einer privilegierten Gruppe, die Spaß am Job hat und dabei sehr gut bezahlt wird. Sollten Spaß und/oder Bezahlung aktuell nicht passen, dann ist es wohl Zeit zu wechseln.

meta

Was machen eigentlich Programmierer?

Vergangene Woche wurde ich wieder gefragt: “Mathias, was tust du eigentlich so als Programmierer?”

Ich finde es erstaunlich, dass in einer inzwischen durch und durch digitalisierten Welt nach wie vor wenig Außenstehende Ahnung davon haben, woraus die Arbeit eines Softwareentwicklers besteht. Dabei durchdringt die Softwarewelt die reale: Nachrichtenmeldungen sind voll mit Berichten über Software-Features wie Gesichtserkennung, Einkaufen via QR-Codes, Suchalgorithmen, Videotelefonie usw. Gleichzeitig ist die Anatomie dieser Systeme den meisten Menschen gänzlich unbekannt. Es herrscht flächendeckender IT-Analphabetismus.

Programmieren hat wirklich nichts mit Office-Software zu tun

Ein Grund der oben geschilderten Situation ist sicherlich, dass IT-Fähigkeiten meist auf Office-Kenntnisse beschränkt werden, und diese Fehleinschätzung zusätzlich mit fragwürdigen Zertifizierungen wie dem Europäischen Computer Führerschein (ECDL) institutionalisiert wird. Ich kann jedenfalls behaupten, dass ich tagelang produktiv arbeiten kann, ohne ein Office-Dokument geöffnet zu haben.

Ein Grund, warum Softwareentwickler Office-Dokumente dermaßen verabscheuen, ist womöglich folgender: In Word- oder Excel-Dateien liegen Informationen unstrukturiert vor, die Daten sind somit für eine effiziente Weiterverarbeitung verloren. Während sich Anwender meist zeitraubend um das Einfärben und Positionieren von Überschriftszeilen bemühen, geht es Entwicklern eher darum, wo Informationen gespeichert und wie sie (weiter-) verarbeitet werden.

“Kurzum, es ist eine sehr spannende Aufgabe ein Programm zu schreiben, dass hunderte Spreadsheets erzeugt und per Mail versendet. Es ist fürchterlich, auch nur eine einzige Excel-Datei selbst zu erstellen!”

Also was machen nun Programmierer genau?

Dank dem rasanten technischen Wandel besteht ein großer Teil meiner Arbeitszeit aus Weiterbildung.

Eins vorweg: ich bevorzuge den Begriff Softwareentwickler, da ich deutlich weniger Zeit an der Tatstatur verbringe, als vermutlich angenommen wird. Meine Arbeit besteht zu großen Teilen aus Recherche und somit Lesen, Versuchen  nach dem Trial-and-Error-Prinzip anstatt zu detaillierter Planung, Kaffeetrinken, Anwender interviewen, Bugs rekonstruieren und fixen, Dokumentationen in Form von Wikis oder automatisierten Softwaretests schreiben und Besprechungen führen. Ich verbringe maximal 20% meiner Arbeitszeit mit tatsächlichem Programmieren am endgültigen Produkt. Bei wirklich produktiven Leuten ist der Anteil wahrscheinlich maximal doppelt so hoch.

Datenbanken, Programmiersprachen und Betriebssysteme

Wie oben erwähnt strukturieren Softwareentwickler die Welt der Daten und machen diese so zu wertvoll(er)en Informationen. Wer also auf seinem Desktop Dateien mit etwa folgenden Namen speichert, sollte sich schleunigst Gedanken über Datenbanken machen:

Urlaubsliste.xlsx
Urlaubsliste_neu.xlsx
Kopie von Urlaubsliste_neu.xlsx
Urlaubsliste_neu - 21. März 2011.xlsx
Urlaubsliste (Version Kontrolle MF).xlsx
Urlaubsliste - endgültig nicht bearbeiten!.xlsx

Ein zentraler Bestandteil eines Entwicklerdaseins sind die verwendeten Programmiersprachen. Je nach Anwendungsgebiet oder Erfahrung gibt es zahlreiche Optionen. In Entwicklerkreisen gleicht die Wahl der Programmiersprache dem Religionsbekenntnis. Ähnliches Bild auch auf Seiten der Betriebssysteme, nur ist hier die Auswahl deutlich geringer: Es gibt die Windows-Leute auf der einen Seite und Unix-Anwender auf der anderen. (Apples MacOS ist übrigens lediglich ein sehr hübsches Unix.)

Fazit: Sollte sich jemand fürs Programmieren interessieren, dann wird man ohnehin mit all den Begriffen schnell in Kontakt geraten. Vielmehr als konkrete Sprachen oder Systeme zählen ohnehin die Aufgabenstellungen. Motto: Such’ dir ein interessantes Problem und kämpf’ dich durch zur Lösung.

Versionskontrolle und Wissensmanagement

Softwareentwicklung ist stetige Wissensfindung als Produktionsprozess. Dabei ist der entstandene Source-Code die Dokumentation der erfolgten Arbeit. Umfangreiche Projekte bestehen aus hunderten von Dateien. Bugs lauern überall, Änderungen im File A haben meist unabsehbare Auswirkungen auf das Gesamtsystem. Bei Projekten mit mehreren Entwicklern steigt der Kommunikationsaufwand exponentiell, sehr schnell ist der Überblick verloren.

Die Lösung des Problems sind unter anderem Systeme zur Versionskontrolle, die das Projekt nicht auf Ebene von Dateien, sondern so genannten Revisionen organisieren. Mich wundert bis heute, warum diese Funktionalitäten nach wie vor nicht Einzug in die Bürowelt gefunden haben. Wenn überhaupt, dann sind sie allerdings extrem komplex aber gleichzeitig nutzlos umgesetzt.

Traumberuf Softwareentwickler

Das Schöne an der Softwareentwicklung ist letztlich, dass die vielfältigen Tätigkeiten nicht in eine kurze Erklärung passen. Jede Aufgabenstellung ist in gewisser Weise einzigartig.

Jeden Tag eine neues Projekt: die Nicht-Standardisierbarkeit der Aufgaben ist der einzige Standard.

Ich habe in zehn Jahren IT noch keinen Softwareentwickler getroffen, der nicht Spaß an seiner Arbeit gehabt hätte. Dennoch birgt die Arbeit großes Frustrationspotential.

Einerseits kann man schon mal tagelang auf drei Zeilen Code starren und absolut nicht verstehen, warum das Programm nicht so funktioniert, wie die Dokumentation sagt. Andererseits werden oft die größten Fortschritte nicht als solche anerkannt. Es gibt schlicht keinen Zusammenhang zwischen Programmieraufwand oder technischer Komplexität und Applaus der Benutzer. Situationen in denen die Benutzer schlicht nicht wissen (können) was eigentlich dahinter steckt, so genannte Black Triangles, sind sehr weit verbreitet.

Zum Abschluss: Softwareentwicklung ist für mich der spannendste Bürojob auf Erden. Ich schaffe tagtäglich meine eigene Welt aus Programmcode, der für mich wie Poesie wirkt. Woche für Woche lerne ich etwas Neues von Menschen, die ihre Arbeit im Internet frei zur Verfügung stellen.

Die einzige Limitation in der Welt der Bits und Bytes ist letzlich die Vorstellungskraft der Entwickler. Hoffentlich kann sich bald jemand eine vernünftige Alternative zu Office-Dokumenten vorstellen…