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IT explained

George bloggt

2012 habe ich an dieser Stelle über IT in Banken gebloggt. Dass ich zweieinhalb Jahre später selbst tief drinnen in der IT einer Bank arbeite, hätte ich damals nicht gedacht. 

Als Teil des Teams rund um George gibt’s nun einen Beitrag über Sicherheit und Datenschutz – ein wirklich spannendes IT-Thema im Kontext von Bankensoftware! Hier geht’s zu meinem Artikel im George Blog.

Und die Tatsache, dass es besser geschrieben ist, als die Texte hier in meinem Blog, liegt an meinem Ghostwriter Dag;-)

politisches

Google zerschlagen?

Seit vergangener Woche wird auf europäischer Ebene heiß über die Zerschlagung von Google diskutiert – und diese politische Initiative ist bereits ziemlich erfolgreich: Die Welt, 28.11.2014

Als Fanboy von Google habe ich damit ein großes Problem.

Was nämlich zunächst nirgendwo in den Anträgen und Berichten auftaucht ist, dass die – vorwiegend deutsche – Initiative großteils von Medienhäusern getragen wird, die ihre traditionellen Geschäftsmodelle gefährdet sehen. Und da kann man schon mal den Datenschutz oder freien Markt missbrauchen, um einen innovativen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.

Mir tut Google nicht leid, und ich fände es für den Werbemarkt auch besser, wenn wir konkurrierende Suchmaschinen hätten. Aber eine Lex Google aus den falschen Motiven hat nunmal nichts mit Demokratie zu tun.

Google, der Weltkonzern

Trotz aller medialer Präsenz – gemessen am Umsatz hat Google die Größe der OMV. So sehr der Technologiekonzern auch Treiber von Innovation und Wachstum sein mag, ein global unbedeutender Energiekonzern aus Österreich macht mit wenig Millionen Kunden dasselbe Geld.

Google, die Datenkrake

Was Googles Suchmaschine über mich zu wissen glaubt, lässt sich in den Anzeigeeinstellungen nachsehen. Laut Google bin ich zwischen 45 und 54 Jahren alt. Meine angeblichen Interessen reichen von Bankwesen, Online-Video (ok, das stimmt), über Essen und Trinken sowie Bücher und Literatur (bei wem wohl nicht?) zu Rap, Hip-Hop und Ego-Shootern (äh, nein!). Solange mein Werbeprofil derart “treffsicher” ist, fürchte ich mich nicht vor der kalifornischen Datenkrake.

dsd
Meine Interessen laut Google. Vor dieser “Allmacht” habe ich keine Angst.

Interessanter als mein Werbe- bzw. Interessensprofil sind die privaten Inhalte in Gmail oder Drive. Unangefochten an der Spitze der Bedenklichkeit steht wohl die Location History, die ich aber auch freiwillig verwende.

Wo war ich punktgenau am 28.11.2014?
Wo war ich punktgenau am 28.11.2014?

Und genau diese Freiwilligkeit ist es, die Google mir stets zulässt (und die ich anderswo sehr wohl vermisse). Niemand zwingt mich, Google Produkte zu verwenden. Selbst deren Betriebssystem Android ist derart offen, dass ich innerhalb des Ökosystems genügend Alternativen zum Suchen, Browsen und Mailen vorfinde.

Google, der Monopolist

Ich kann problemlos Chrome gegen Firefox und die Suche gegen Bing oder DuckDuckGo tauschen. Ich wurde seitens Google noch nie in eine Ecke gedrängt. Ganz anders ist da beim mir verhassten Microsoft Office oder iOS – entweder man ist dabei oder eben nicht. Apple geht ja sogar so weit, die Hardware auch noch vorzuschreiben.

Aber damit haben letzlich deutsche Verlage kein Problem, sondern die würden sich ja sogar wünschen, das Apple der Welt das Kopieren digitaler Inhalte gegen eine Gebühr von 30% verunmöglicht.

Google, die Erfolgsmaschine

Google setzt den Großteil der hauseigenen Projekte ziemlich in den Sand – eine Nebenwirkung der für mich unvorstellbaren Innovationskraft des Konzerns. Oder erinnert sich noch jemand an knowl, answers, wave, usw? Das Asset von Google ist letztlich eine unerreichbar gute Suche. So unrreichbar gut, dass Microsoft noch so viel Geld in Bing stecken konnte, ohne dass es auch nur annähernd an die Qualität herankommt. Eigenartig, geht es letztlich doch “nur” um Mathematik, was ansich zu kopieren sein sollte.

Abfallprodukt der gescheiterten Projekte sind unzählige OpenSource-Projekte, -Libraries/-Frameworks, die im Google-Umfeld wachsen und finanziell unterstützt werden.

Als Unternehmer verdiene ich damit über Umwege gutes Geld und zahle meine Steuern. So funktionieren Innovation und Wachstum.

Mein Deal mit Google

Der Deal mit Google ist mir letztlich klar: Auf Basis eines Werbeprofils verdient Google gutes Geld, ich nutze dafür frei von Kosten oder Verpflichtungen Services, für die traditionelle Unternehmen tausende Euro pro Mitarbeiter und Jahr hinlegen. Und zusätzlich fällt aus der Google-Maschinerie das ein oder andere Projekt heraus, das ich ohne Lizenzzahlung zu Geld mache.

IT und Europa

Als Europäisches Parlament würde ich mir vielmehr die Frage stellen, warum es in Europa de facto keine IT-Konzerne (mehr) gibt. Vielleicht liegt es ja an der Rechtslage zum Thema Datenschutz (in Österreich krankhaft in Kombination zum Amtsgeheimnis), an Bürokratie und Steuern?

tldr;

Das Europäische Parlament will auf Druck von Verlagshäusern Google zerschlagen. Ich “freue” mich schon jetzt auf den damit verbundenen Wegfall der Gratisangebote wie Mail oder Drive. Andere IT-Konzerne sollten der EU vielmehr Dorn im Auge sein, aber die kooperieren letztlich mit den Inhabern geistigen Eigentums.

meta

Insta-Rich and Insta-Used!

Es gibt kaum einen Deal, der ferner der Realität zu sein scheint, als Facebooks Übernahme von Instagram. Die Zusammenfassung des Wikipedia-Artikels bedarf keines weiteren Kommentars: Eine Softwarehütte, kaum zwei Jahre alt, 12 Mitarbeiter, kein Ertragsmodell – übernommen für 1 Milliarde US Dollar durch ein Stalking-Service, das zurzeit den größten Börsegang aller Zeiten vorbereitet.

“In der Welt der Software sind die Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt. Bei deren Vermarktung anscheinend auch die der Ökonomie.”

Von lukrativen Übernahmeangeboten leider verschont, habe ich in den vergangenen 20 Minuten mit der Open Source Software ImageMagick gespielt. Ergebnis ist eine einzige Zeile Code, die die komplette Kernfunktionalität von Instagram bedeutet: Ein Filter, der Fotos moderner Kameras um mindestens drei Jahrzehnte in die Vergangenheit befördert, indem Farb- und Kontrastumfang sowie Ränder zerstört werden.

mogrify -modulate 120,200,200 -vignette 262x722 -modulate 120,10,100 -fill '#222b6d' -colorize 20 -gamma 0.5 -contrast ecuador.JPG

Das Ergebnis lässt sich sehen – für bescheidene 10 Millionen Euro gehört’s dir, Mark Zuckerberg!

Mein "lavender dusk" Effekt - ich denke, allein schon der Name ließe sich toll vermarkten;-)
Originalbild: Farben, Kontraste, Details - wurscht. Mathias, Ecuador 2011.

Natürlich ist mir bewusst, dass Facebook da nicht die Codebase gekauft hat.

In der echten Welt würde man Maschinen und Anlagen kaufen. In der Hype-Welt des Internets hingegen ist sowas wie Instagram nach spätestens sechs Wochen nach-programmiert. Der Wert ergibt sich aus den Millionen von Nutzern, die das Service kennen, verwenden und dafür bezah… ach, lassen wir das!

Raus aus der Cloud

Jedenfalls laden Millionen Benutzer Bilder hoch und geben en passant persönliche Daten preis, die bestenfalls in aggregierter/anonymisierter Form dem Serviceanbieter als Geschäftsgrundlage dienen. Ich frage mich vermehrt, wie viele Menschen ihre Daten inzwischen ausschließlich gratis in der Cloud ablegen. Die Fotos vom Kind, Lebensläufe, Urkunden, E-Mails oder welche persönlich wertvollen Dokumente auch immer sind bei Gratis-Diensten langfristig jedenfalls nicht gut aufgehoben.

Aus diesem und zahlreichen anderen Gründen ruft Sascha Lobo zum eigenen Blog auf. Ich greife seine Argumente auf und gehe weiter: Wir sollten uns fragen, welche Daten wichtig sind. Was wäre, wenn ich morgen keinen Zugriff mehr auf GMX oder YouTube hätte?

Ich bin kein Privacy-Fanatiker, fällt der Großteil meiner Daten doch in die Kategorie “Belanglos und Entbehrlich”. Die ewige “Facebook ist so böse”-Diskussion empfinde ich sogar als irreführend – werden doch meist ausschließlich Einstellungen erklärt, wie man den Zugriff auf seine Wall limitieren kann. (Beispielsweise auf die fragwürdige Einstellung “Freunde von Freunden”, rechnerisch bei mir rund 20.000 Personen…)

Der Fokus auf die Abschottung innerhalb Facebooks, lässt das größte Übel allerdings gänzlich außer Acht: Facebook selbst. Denn das soziale Medium liest immer mit: Persönliche Nachrichten, Login-Zeiten, Standortdaten, Browser-History (via Social Plugins), usw.

Oder all das Geschriebene in einem Bild:

Gilt natürlich auch für Gmail, Flickr, YouTube, Dropbox, Twitter, Skype, usw.

Ich habe begonnen, meine mir wichtigen Daten akribisch zu sichern. Sie werden ab sofort verschlüsselt und auf unterschiedlichen Standorten bei unterschiedlichen Anbietern gesichert. Auf Facebook oder Google+ poste ich bereits seit längerer Zeit ausschließlich Öffentliches nach dem Motto “Was dort ist, ist ohnehin verloren”.

Tipp 1: Die Bild-Zerstörung Instagrams konsequent weitergedacht findet sich auf Twitter: Text-Only Instagram

Tipp 2: Mit TrueCrypt lassen sich virtuelle Festplatten innerhalb einer verschlüsselten Datei erstellen. Diese kann anschließend sorgenfrei bei Dropbox, Ubuntu One, Google Drive, etc. hochgeladen werden.