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Tetris 3D!

Vor kurzem habe ich über die Tetris-Maschine, einen Algorithmus zum Finden optimaler Raum-Zeit-Kombinationen in Reservierungssystemen, gebloggt. Diesmal ist die Aufgabe dieselbe, der Lösungsweg allerdings ein gänzlich anderer.

März oder Oktober – die WU plant – wie andere Universitäten ebenso – Lehrveranstaltungstermine des jeweils kommenden Semesters. Der Prozess gleicht dem Einräumen meines Kühlschranks nach dem Großeinkauf: Zuerst müssen große Veranstaltungen fixiert werden, kleinere müssen sich an die Gegebenheiten anpassen – also nehmen, was noch übrig ist. Mit zunehmender Fragmentierung durch Blockveranstaltungen oder Prüfungstermine wird es somit immer schwieriger, einen fixen Raum oder auch nur eine stabile Beginn- und Endzeit für Veranstaltungen zu finden. In diesem Fall kann eine Visualisierung der Belegung sinnvoll sein.

Doch wie soll man knapp 20.000 Veranstaltungen in 150 Räumen pro Semester übersichtlich darstellen?

Die Referenz

Anbei ein Screenshot vom aktuellen Buchungssystem: Wochentagsweise werden die Belegungen dargestellt – pro Raum gibt es eine derartige Auswertung. Die einzelnen Kürzel codieren die Veranstaltungen, ein Überblick über den gesamten Campus ist allerdings so nicht möglich.

Belegung eines Raums über ein ganzes Semester nach Wochentagen. ASCII-Art rules!

Der Re-Write

Trotz des geekigen Charmes der obigen ASCII-Darstellung lautete der Plan, die Belegungen interaktiv zu visualisieren. Typische Anwendungsfälle sind etwa:

  • “Ich benötige kommendes Semester einen 60er-Raum am Donnerstag Nachmittag.”
  • “Ich benötige in der ersten Semesterhälfte einen 30er-Raum am Montag und Mittwoch zur selben Beginnzeit.”
  • “Ich benötige für Termine 1, 2, 3, 4 und 5 einen Hörsaal.”

Die Idee: Die Belegung sollte Raum, Uhrzeit und Datum dreidimensional darstellen, also Datum über Datum legen. Mit semitransparenten Balken pro Belegungen könnte die Farbintensität somit die Dichte der Buchungen codieren. Durch Zu- und Wegschalten einzelner Tage, wäre es außerdem möglich, schnell in der Datenmenge zu navigieren.

Mock-up Dez. 2011: Meine ursprüngliche Idee, wie man dreidimensional durch die Buchungen am Campus blicken sollte.
Low-Fidelity Prototype auf Papier. Die Achsen für Uhrzeiten und Räume sind nun vertauscht, denn eine variable Anzahl an Räumen expandiert besser nach unten als nach rechts.

Nach einigen Spielereien mit absoluter Positionierung von <div>-Elementen im DOM fiel die Wahl doch recht schnell auf das weitaus effektivere d3.js. Diese Javascript-Library ermöglicht das Erstellen interaktiver SVG-Dokumente. Meine Hassliebe zu Javascript war jedenfalls überwunden, als das method chaining der Library endlich von den Fingern ins Gehirn übergegangen war:

function actually_draw(data) {

  d3.select("#bookings")
    .append("g")
      .attr("id", "day" + data.day)
    .selectAll("rect.booking")
    .data(data.bookings)
    .enter()
    .append("rect")
      .attr("class", "booking")
      .attr("width", function(d) {
        return linear_scale(time_to_float(d.end)) - linear_scale( time_to_float(d.start))
       })
      .attr("height", R_AXIS.incr - 2)
      .attr("x", function(d) { return linear_scale( time_to_float(d.start) ) } )
      .attr("y", function(d) { return  room_y(d.room)});  
}

Exzessives method chaining gepaart mit einigen wenig intuitiven Methoden wie .selectAll() (macht man, obwohl noch nichts vorhanden ist) oder .data(data).enter() (“steigt” hinein in die Daten). Ist man da mal durch, ist plötzlich alles möglich!

Endergebnis: Über 2000 Termine auf einer Seite visualisiert, interaktiv mit dem Kalender zu steuern. Echte Daten der WU im Sommersemester 2013.

Auch wenn der Screenshot noch nicht toll aussieht: Der Browser holt sich mehrere tausend Termine und rendert diese ohne Performance-Probleme bei jedem Klick im Kalender. Sourcecode und Live-Demo sind verfügbar unter:

http://www.zieglergasse.at/stuff/2012/bookingviz/view.html

 

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Redesign SAP Finanzbericht

Zur Thematik, dass erfolgreiche ERP-Systeme nicht zwangsweise durch einfach bedienbare User Interfaces glänzen, habe ich bereits gebloggt. Spätestens, seitdem ich meine eigene Kostenstelle verantworte, war’s nun aber höchste Zeit, den Bericht, der mir Überblick über meine Finanzen geben sollte, zu überarbeiten.

Zu allererst ein Blick auf den Status Quo

Nach einigem Herumgeklicke und der Erkenntnis, dass SAP-Jahre aus 16 Monaten bestehen, erreiche ich Woche für Woche den Überblick über meine Kostenstelle im Look & Feel von Teletext, aka SAP GUI.

Der Bericht listet alle von mir unterschriebenen Rechnungen mit Betrag, Datum, Belegtext sowie Kostenart. Um den Leser nicht mit Details zu verwirren (so interessant sind meine Zahlen nun auch wieder nicht), habe ich die Berichtsstruktur hervorgehoben:

Der Bericht zeigt auf Kontierungselemente (Kostenstellen) gebuchte Kosten aufgeschlüsselt nach Kostenarten (Konten). Die Logik des Berichts orientiert sich mMn zu stark am System.

Im Großen und Ganzen befinden sich auf der Seite zwei interessante Blöcke: eine Übersicht oben links, sowie eine Tabelle mit den Buchungen darunter.

Wenn ich mir nun überlege, welche Aufgaben ich mit dem Bericht abwickeln muss, dann sind das nach absteigender Wichtigkeit:

  1. Überblick über Planungs- sowie Ist-Stand meiner Finanzen
  2. Details zu einzelnen Rechnungen (z.B.: im Falle von Reklamationen)
  3. Analyse meiner Kostenstruktur nach Zeit und Kostenart

Traurig, aber wahr: bereits der erste Task ist mit dem Bericht nicht ohne Weiteres möglich. Die Transaktion, also der SAP-Name für eine Bildschirm-Maske, listet entweder Plan- oder Ist-Daten. Die jeweils andere Ansicht erreicht man durch Beenden und Neustart des Berichts nach anderen Auswahlkriterien. (…)

Finanzbericht Marke Eigenbau

Eine kleiner Entwurf auf einer McDonalds-Rechnung (ein so genannter Low-Fidelity Mockup) und ein paar Stunden Datenexport, HTML, SQL, Javascript und Python später ist die Alternative fertig: Eine Webseite, die die drei oben genannten Tasks auf einen Blick ermöglicht.

Der Kasten oben links bietet mir die Gesamtsummen von Ist und Plan als Zahlen, zusätzlich verdeutlicht ein Prozentwert das Verhältnis (Wieviel ist schon weg?).  Darüber ein einziges Auswahlfeld für das Berichtsjahr, kein Formular-Moloch. Rechts daneben befindet sich Säulendiagramm, das mir dieses Plan/Ist-Verhältnis nochmal grafisch verdeutlicht. Bei mehreren Jahren – bei mir nicht der Fall – sieht man so automatisch den Budgetverlauf.

Die Details zu einzelnen Rechnungen finden sich darunter. Die Tabelle verwendet das jQuery-Plugin DataTables, welches Such-, Sortierfunktion und Pagination bietet. So sind ein Sortieren nach Datum, oder das Suchen einer bestimmten Rechnung keine große Hexerei. Die rein Client-seitige Umsetzung sorgt dafür, dass das Ding responsive bleibt.

Alternativvorschlag: Ein Überblick über Plan und Ist (gleichzeitig!) oben links, eine Tabelle aller Buchungen mit Sortier- und Suchfunktion darunter. Oben rechts ein paar grafische Darstellungen eben jener Daten.

Den Zuckerguss stellen die drei Diagramme im TabbedView oben rechts dar. Neben dem bereits besprochenen Jahresüberblick, gibt es noch ein Liniendiagramm, welches den Planungsstand mit dem Iststand unterjährig vergleicht. Dadurch dass auf Jahresebene geplant wird, ist eine kumulative Auswertung sinnvoll.

Die wichtigste Frage auf einen Blick beantwortet: Bin ich drüber oder drunter?

Abschließend noch eine Auswertung nach Kostenarten, die eine hierarchische Datenstruktur mit variabler Tiefe darstellen. In diesem Fall habe ich mich für eine Treemap entschieden. Diese codiert zwei Variable (Größe des Rechtecks entspricht der Summe; Farbe ist die Abweichung) in eine klickbare Fläche. Das “Entdecken” der Kostenzusammensetzung macht so richtig Spaß.

Sehr schöne Visualisierung einer hierarchischen Datenstruktur: die Größe entspricht der Summe, die Farbe der Plan/Ist-Abweichung

Die hier dargestellte Kritik an aktuellen Berichten ist positiv gemeint und soll keineswegs als SAP-Bashing missverstanden werden. Dass die Software derart erfolgreich war, ist und vermutlich bleiben wird, hat schon seine guten Gründe. Ich bin selbst überrascht, wie sich mein Blick auf eben jenen Bericht verändert hat, seitdem ich auch wirklich ein Anwender bin. (…)