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Von Kaffee und den großen Zusammenhängen

In unserer Maschinenfabrik – wie in allen anderen Fabriken ebenso – wird viel Kaffee getrunken. Besonders dann, wenn lang gearbeitet werden muss, weswegen das Kaffeetrinken auch im Interesse des Managements steht.

Uneinigkeit herrscht jedoch bis heute, ob allein der Kaffeekonsum bereits zu größeren Arbeitsleistungen führt, oder aber ob das Kaffetrinken eher die Folge erhöhter Arbeitsbelastung ist.

jh
Droge für die Wirtschaft: Kaffee

Die Kantinen

Wie auch immer, in den Fabriken gibt es jedenfalls mehrere Kantine in denen Kaffee verkauft wird. Die Kantinen werden von ihrer Rösterei beliefert.

Kantinen verkaufen in zwei Richtungen: Einerseits Kaffee an die Mitarbeiter, andererseits Kaffeemarken an das Management, damit dieses die Mitarbeiter bei Laune halten kann. Ist das Management wie so oft nicht bei Kasse, werden die Kaffeemarken gegen extrem lukrative Abnahmeverpflichtungen für noch mehr Kaffee in Zukunft getauscht.

Apropos Kaffee, wer gedacht hätte, in jeden Becher Kaffee kommen nur die feinsten Bohnen, der irrt gewaltig: Die Kantinen verdienen gutes Geld damit, frische Bohnen mit Kaffeesud zu vermengen – aber das ist lediglich ein unappetitliches Detail, das nichts weiter zur Geschichte beiträgt.

Die Chefetage

Das häufig wechselnde Management ist daran interessiert, möglichst viel zu produzieren. Andernfalls stehen die Mitarbeiter nämlich ziemlich sinnlos und bald ebenso ziemlich sauer herum. Aufgrund der langfristig eingegangenen Abnahmeverträge und den horrenden Schulden in Kaffeemarken gegenüber den Kantinen bleibt den Fabriken ohnehin immer weniger Spielraum. Bösartig könnte man behaupten, manche Klumpertfabrik existiere nur noch, um die Werkskantine am Laufen zu halten.

Es muss also auf Teufel komm raus produziert werden, um nicht gegen die Wand zu fahren:

Die einfachste Methode, den Output zu erhöhen war bislang, den Kaffeekonsum anzukurbeln. Dann muss man sich nämlich nicht mit der Verbesserung von Arbeitsabläufen, dem Schulen von Mitarbeitern oder dem Modernisieren von Maschinen herumschlagen.

Das Management bezahlt die Mitarbeiter mit Geld. Ist das Unternehmen mal nicht liquide, wird auch in Kaffeemarken bezahlt, was den Nebeneffekt haben soll, dass mit dem künftigen Konsum von Kaffee umso mehr produziert wird.

Das Gewerbeamt

In der Softwarefabrik passierte ein unangenehmer Zwischenfall: Einzelne Kaffemarken unterschiedlicher Kantinen wurden zu Gutscheinheften gebündelt und an Mitarbeiter oder andere Kantinen verkauft. Als sich herausstellte, dass die darin enthaltenen Marken wertlos waren, weil einige der ausstellenden Farbiken inzwischen geschlossen hatten, mussten auch die Kantinen schließen, die nun auf sinnlosen Marken saßen. Damit trocknete aber auch der Kaffeenachschub aus, und folglich wurden die Nachtschichten immer kürzer und die Produktivität der Fabriken immer geringer.

Seither ist das Gewerbeamt besonders aufmerksam und erlässt unaufhörlich neue Regelungen, um den Kaffeekonsum und das Ausstellen von Marken sicherer zu machen. Kantinen müssen genau Buch führen, wem sie Kaffee verkaufen, wer welche Marken führt und wem sie wiederum Kaffee schulden.

Die Rösterei

Die Rösterei beliefert die Maschinen-, aber auch Auto-, Sonnenbrillen-, Champagner- und die Schafkäsefabrik mit Bohnen. Nur die Kuckucksuhren- und Softwarefabrik haben ihre jeweils eigenen Röstereien anderdswo.

Das Geheimnis jeder Rösterei ist, dass sie auf einem unbegrenzten Vorrat an Bohnen sitzen. Wäre das nicht schon eigenartig genug, beschäftigen sie sich vor allem mit den Preisen von Kaffeemarken in den Betrieben. In den vergangenen Jahren wurde in den Fabriken nur noch immer gleich viel produziert, weswegen auch (oder eben weil?) die Nachfrage nach Kaffee stagnierte.

Die Mitarbeiter

Mitarbeiter sind dumme, in den Fabriken beschäftigte Kaffetrinker, die ab und zu befragt werden, wer von ihnen Teil des Managements werden soll. Eigenartigerweise dürfen sie nicht über die viel mächtigeren Röster abstimmen.

Mitarbeiter kaufen das, was in den Fabriken produziert wird. Manchmal scheitert es allerdings am Geld, was einen verhängnisvollen Teufelskreis auslösen kann: Kein Geld, kein Konsum, keine Jobs. Diesen Teufelskreis hat man vor hundert Jahren durchschaut und Parteien zu dessen Bekämpfung gegründet.

Die damals erstellten Rezepte greifen aber nicht mehr so gut. Nur eine Erklärung sind etwa die Postkoffeinisten, die gar nicht mehr an Kaffee interessiert zu sein scheinen. Auch ist die zunehmende Vernetzung mit anderen Fabriken ein Problem, weil Mitarbeiter zwar gern faul im eigenen Betrieb herumstehen, aber blöderweise der effizienten Smartphonefabrik aus Fernost ihre Produkte abkaufen.

Nach den oben geschilderten Vorfällen mit den wertlosen Gutscheinheften in der Softwarefabrik sind den Mitarbeitern die Kantinen ein Feindbild. Daher lieben sie es auch, wenn sich das Management um strenge Kontrollore beim Gewerbeamt kümmert, weil diese ja den Kantinen dann besonders auf die Finger schauen.

Blöd ist nur, dass das Managment die Kantinen wie einen Bissen Brot braucht. Denn mit Hilfe der Kantinen kann das Management Kaffee verschenken.

Die größte Kunst des Managements ist es letztlich, die von ihnen bitter benötigten Kantinen als Feindbild zu etablieren.

Die Kaffeeschwemme

 

Wie auch immer, der Becher Kaffee wurde in den vergangenen Jahren nicht mehr teurer, was Mitarbeiter freute, aber Alarmglocken beim Röster läuten ließ.

Die Rösterei hat sich folglich dazu entschlossen, Kantinen gratis mit Bohnen zu beliefern. Der Gedanke: Viel Bohnen führen zu viel Kaffee und das zu viel Output im Betrieb – und letztlich zu einem leichten Anziehen der Kaffeepreise.

Eigenartigerweise führte die Gratislieferung aber nicht dazu, dass mehr Kaffee getrunken wurde, und schon gar nicht zum eigentlichen Ziel erhöhter Produktivität. Die Kantinen sitzen nun haufenweise auf Bohnen und lagern diese aus Platznot beim Röster – und bezahlen dafür sogar noch.

Die Kantinen beklagen nämlich, dass sie trotz dieser einzigartig günstigen Belieferung durch den Röster vom Gewerbeamt malträtiert werden. Zu viele Vorschriften würden den Weg der Bohne zum Konsumenten behindern.

Die ganze Malaise zwingt den Chefröster, ehemals ein Mitarbeiter der Sonnenbrillenfabrik, zu einem höchst eigenartigen Schritt: Man schiebt noch mehr Bohnen in die Werkskantinen. Da man aber ohnehin bereits gratis beliefert, muss man sich mit einem Trick behelfen.

Man zwingt die Kantinen dazu, einen Teil der vom Management ausgestellten Abnahmeverträge und Kaffeemarken in den kommenden Monaten einzulösen. Das sollte den Kaffeekonsum um über 10% ansteigen lassen.

Bislang hat aber auch schon niemand den Kaffee getrunken, weil

  • im Betrieb immer weniger anstrengenden Nachtschichten stattfinden
  • viele Kantinen noch immer viel zu sehr mit dem Gutscheindebakel beschäftigt sind, das Management den Mietvertrag mit diesen Kantinen aber nicht beendet weil vordergründig Mitarbeiter sauer sein würden und langfristige Abnahmeverträge laufen aus denen das Management nicht herauskommt
  • Kantinen aufgrund strenger Regelungen an manche Mitarbeiter gar nicht erst verkaufen dürfen

Fraglich bleibt:

  1. Was ist diesmal anders? Warum soll das Werkel mit dem neuen Trick in Gang kommen wenn schon die Gratislieferung nichts bringt?
  2. Warum erkennt niemand den eigenartigen Widerspruch zwischen den Auflagen des Gewerbeamts und den Zielen des Rösters?
  3. Wie kann die Schafkäsefabrik durch mehr Kaffee gerettet werden, wenn ohnehin niemand mehr den Schafkäse isst?
  4. Wie kann das Management von Kantinen unabhängig bleiben, wenn es doch nur gewählt wird, wenn es Kaffee gegen Abnahmeverträge an die Mitarbeiter verschenkt?

tldr;

Das Kaffeeuniversum hat ein gehöriges Problem. Zum Glück wohnen wir nicht dort, sondern im schönen Europa.

finance

Mathias’ Krisenportfolio

Die Finanz-, Staatsschulden-, Wirtschafts- oder Eurokrise bleibt ein Schrecken ohne Ende. Indes macht sich nicht nur bei mir Angst vor Inflation breit; kein Wunder, ist der Effekt der Geldentwertung bereits bei Immobilien oder Gütern des täglichen Lebens sichtbar (Lesetipp: Wie teuer ist teuer?). 

Was tun gegen Inflation?

Inflation bedeutet, dass Geld im Gegensatz zu anderen Vermögensklassen an Wert verliert. Die simple Strategie gegen Inflation lautet daher, Vermögen in Werte abseits von Geld zu investieren.

An steigenden Immobilienpreisen – insbesondere bei Wohnungen im städtischen Raum – ist der Trend hin zum “Betongold” ohnehin bereits gut abzulesen. Doch was tun, wenn eine Immobilie nicht in Frage kommt – sei es aufgrund zu kleiner Ersparnisse oder der doch recht beträchtlichen Risiken wie etwa Bauschäden oder Mietausfall?

Krisensichere Geldanlage

Folge der Kursentwicklung auf Twitter! (Technische Details dazu im folgenden Blog-Post.)

Wohin mit 100.000 Euro?

Egal ob unsere Sorgen der Inflation oder gar dem Horrorszenario “Eurocrash” gelten, es gibt für diese Fälle Alternativen zur Sichteinlage bei der Hausbank.

Ich lege hier meine aktuellen Investmententscheidungen offen und werde versuchen, ab und zu Updates zur Kursentwicklung zu liefern. Der Einfachheit wegen rechne ich mit fiktiven 100.000 Euro Investitionssumme – bei meiner tatsächlichen Anlage ist es leider deutlich weniger – der dargestellte Mix mit Ausnahme der Uhr und den Goldmünzen entspricht meiner tatsächlichen Anlage.

Rohstoffe

Die beste Absicherung gegen steigende Warenpreise ist an der Wertentwicklung von Waren teilzuhaben. Wer Metalle, Öl, Baustoffe und Nahrungsmittel – so genannte commodities – allerdings nur in begrenzten Ausmaßen einlagern kann, hat die Chance über exchange traded funds an Warentermingeschäften teilzunehmen.

Commodity ETF Kurs Stück Summe
Summe 23850
Jim Rogers Int’l Commodity Index LU0249326488 26.50  900  23850

Aktien

Unternehmensanteile gelten wie Warentermingeschäfte als risikoreich. In Zeiten hoher Inflation sind sie dennoch eine wichtige Alternative zu Sichteinlagen. Ich habe mich in meiner Auswahl auf Aktien von marktführenden Unternehmen in krisensicheren (defensiven) Branchen konzentriert. Zusätzlich zur Chance auf Kursentwicklung bieten insbesondere die Aktien unten teilweise hohe Dividenden (in der vierten Spalte ist die Dividendenrendite eingetragen).

Getankt wird immer. Mathias, Massinga (Mocambique) 2011,
Google Maps
Aktien Kurs Dividende Stück Summe
Summe 59312
Novo Nordisk DK0060102614 118.32 2.1%  65  7690
Altria US02209S1033 28.51  5.33%  300  7653
Umicore BE0003884047  35.32  3.24%  200  7064
Fuchs Petrolub DE0005790406  40.80  3.25%  180  7344
Nestle CH0038863350 48.64  3.61%  150  7296
Pfizer US7170811035 18.21  3.7%  400  7284
BP GB0007980591  5.40  8.4%  1400  7560
Shoprite ZAE000012084  15.64  –  480  7420

Sachwerte

Während die bisher knapp 85% meines Portfolios das Szenario “Inflation” abdecken kommen nun 12% “Eurocrash”. Gold wird auch weiterhin einen Wert besitzen, und die Uhr trägt man am Besten (vorsichtig) mit Freude an der Sache. (Geschmäcker sind verschieden, es gibt glücklicherweise genügend wertstabile Uhrenmarken.)

Sachwerte
Summe 12225
Rolex Milgauss GV Referenz 116400GV 5500
5 Philharmoniker 1oz 1345/Unze 6725

Barvermögen

Die restlichen 5% bleiben als Sichteinlage bei der Bank.

Bargeld
Summe 4613
Sichteinlage ING DiBa, aktuell 1.5% 4613

Performance

Da das Portfolio zur Absicherung gegen Inflation oder Währungscrash dienen soll, ist es mitunter nicht schlau, die Performance ausschließlich in nominellen Euros auszudrücken. (Insbesondere weil ich – wie auch im eingangs verlinkten Artikel dargestellt – an deutlich höhere Inflationsraten glaube…)

Messen wir daher die Performance meiner Investition von 100.000 Euro in Kaufkraft. Hier ein kleiner Überblick, was man heute – 9.7.2012 – um 100.000 Euro bei mir im Grätzel kaufen kann. (Die von mir gewählten Produkte sind alle hoch standardisiert, unterliegen keinem technologischem Wandel und sind österreichweit gut vergleichbar.)

Kaufkraft
Royal TS Menü mit Salat 5.79 17271.16 Menüs
Benzin ROZ 95 (e-control Spritpreisrechner für 1070 Wien) 1.399 71479.63 Liter
ORF/GIS Gebühren 49.76/2 Monate 334.94 Jahre Fernsehen
Jahresstromverbrauch 3000kWh (e-control Tarifrechner für 1070 Wien) 540.04 (stromdiskont.at) 185.17 Jahre
Immobilie 51-80m², 1070 Wien (immopreise.at) 4486 Euro/m² 22.29m²