IT explained

sclable: Das “rapid everything” ERP

Vergangene Woche hatte ich das Vergnügen, an einer sneak peek für ein überraschend neuartiges ERP-System teilzunehmen. Das Wiener Startup sclable tritt an, um das SAP oder Oracle von morgen zu werden. Die Ansage ist natürlich zu stark, um zu halten, aber dennoch ist das Produktkonzept mehr als nur einen Blick wert.

Ich würde sclable als Scaffolding Framework mit Workflows und hübschem UI beschreiben. Sagt vorerst wenig: Man kann damit jedenfalls sehr schnell individuelle Workflows in Software gießen und bleibt überdies flexibel. Es klingt ein wenig nach Heiligem Gral der Softwareentwicklung: Vorteile von Standard- und Individualsoftware vereint in einer Lösung, das Ganze durch geschulte Mitarbeiter in Eigenregie durchführbar.

sclable besetzt mit dieser Idee eine – zumindest für mich – komplett neuartige Nische im Unternehmen irgendwo zwischen zur Unhandhabbarkeit gewachsenen Excels, dem von Haus aus unhandhabbaren Sharepoint, der schwerfälligen Business Class mit SAP Workbench oder Oracle Forms sowie der Plugin-Architektur von WordPress.

Bereits nach der kurzen Einführung würde ich mir zutrauen, beispielsweise einen Bestellworkflow für ein mittleres Unternehmen mit sclable innerhalb weniger Stunden umzusetzen. So schnell, wie ich in sclable editiere, kann ich beim besten Willen nicht programmieren.

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sclable at its best: Im Handumdrehen erstellte Entitäten werden mit beliebig komplexen Workflows verknüpft. Die graphische Darstellung ist bereits der halbe Weg zur Dokumentation.

Damit kommen wir zum wirklichen Vorteil: Durch die enorme Geschwindigkeit wachsen Spezifikation, Umsetzung, Test und Dokumentation zusammen. Es ist also vorstellbar alle Präsentationen, Powerpoints, e-Mails und Telefonate zu skippen und gleich gemeinsam mit dem Kunden loszulegen. Solange also die Aufgabenstellung zum Kern von sclable passt (“Mehrbenutzer-Workflow rund um ER-Modell”), ist’s ein Wahnsinns-Tool.

“Don’t ever fight a framework!”

Den Punkt, wo Customizing zur Vergewaltigung wird, darf man allerdings – wie bei jedem anderen Framework auch – nicht übersehen. Dann endet man schließlich wiederum in der Individualentwicklung, und hier würde ich dann generell zu Python/Django greifen. (Nun ja, da greife ich fast immer hin.)

Was paranoide oder Policy-geplagte CIOs beruhigen dürfte, ist außerdem die Info, dass das Produkt nicht nur als SaaS sondern auch on-premise laufen soll. Dank API sind Daten außerdem exportierbar, was langfristige Abhängigkeiten ohne Ausweg unterbindet.

Nachteil ist womöglich PHP als Runtime. Technisch ist es einfach pfui wegen fehlender Namespaces einer besch*** Standard Library, Patch-Wahnsinn, usw. Entwickler gibt’s jedoch genug. (Und mit Wikipedia oder Facebook gibt’s zugegebenermaßen ziemlich große PHP-Projekte, wo auch niemand über die Programmiersprache schimpft…)

Ich bin gespannt auf den Launch und weitere News von sclable.at!

Edit: Markus Nenning hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ERP eine nicht ganz korrekte Schublade für das Produktkonzept ist. Ich hab’s dennoch beim Titel belassen, da man sich mit bekannten Kategorien einfach leichter tut. Aber klar, mit der Flexibilität von sclable könnte man auch ganz andere Schubladen füllen – von Projektmanagement über CMS bis hin zu einem Universitätsverwaltungssystem.

politisches

Kein Unternehmer

Date: Wed, 7 May 2014 08:12:06 +0200
Subject: "EPU sind keine Unternehmer"
From: Mathias Frey __c99 <office@c99.at>
To: umlagen@wkw.at

Sg Damen und Herren,

mit Interesse habe ich soeben den Artikel Ihres Vizepräsidenten 
gelesen:

http://wirtschaftsblatt.at/home/meinung/gastkommentare/3801421/EPU-sind-keine-Unternehmer

Da ich diesen Standpunkt voll und ganz teile, bitte ich Sie mir eine
Forderungsberichtigung über die mir soeben vorgeschriebenen 130 EUR
Grundumlage zu schicken. Diese haben Sie nämlich einem Nicht-Unternehmer
vorgeschrieben.

LG
mf


-- 
c99 Business Services GmbH
Zieglergasse 14-2-1
A-1070 Wien

phone: +43 6 99 1 0815 99 6
email: office@c99.at
web: http://c99.at

AT40 2011 1823 2791 9900 // GIBAATWWXXX
Handelsgericht Wien
FN 400496 s, UID ATU68074745

Der Link zum Interview ist klickbar hier.

Die Antwort

To: <office@c99.at>
Subject: "EPU sind keine Unternehmer"
Date: Tue, 13 May 2014 10:09:23 +0000

Sehr geehrter Herr Mag. Frey,
 
danke für Ihr Mail vom 7.5.2014.
 
Wie Sie sicherlich wissen, ist Herr Amann in der Zwischenzeit als Vizepräsident 
der Wirtschaftskammer Österreich zurückgetreten.
 
Seine Aussagen entsprachen in keiner Weise der Linie und vor allem nicht der 
Einstellung der Wirtschaftskammer Wien gegenüber Ein-Personen-Unternehmen.
 
Ich schicke Ihnen im Anhang die Presseaussendung von Frau Präsidentin Jank, in 
der sie sich von den Aussagen des ehemaligen Vizepräsidenten der Wirtschaftskammer 
Österreich distanziert, und in der die Bedeutung der Ein-Personen-Unternehmen 
klar unterstrichen wird.
 
In der Presseaussendung finden Sie auch den Link zur Homepage des Forum EPU, wo 
Sie einen Überblick über das spezielle Angebot für EPU erhalten.
 
Eine Forderungsberichtigung, wie Sie in Ihrem Mail angesprochen haben, ist leider 
nicht möglich.
 
Ich hoffe auf Ihr Verständnis und stehe Ihnen diesbezüglich gerne für ein Gespräch 
zur Verfügung.

(Name)
 
Wirtschaftskammer Wien
Abteilung Mitgliederservice

Nun ja, jetzt weiß ich zumindest, dass meine 130 Euro nicht nur für Gewinnspiele und Newsletter draufgehen, sondern auch für Presseaussendungen, das Infoportal und die Mitarbeiterin, welche die Mail im Namen eines anderen Mitarbeiters der Abteilung Mitgliederservice der Wiener Wirtschaftskammer versendet hat…

business

Verabschiedet euch von euren IT-Abteilungen!

Ich sitze beim Offline-Breakfast[1] mit meinem Freund Andreas, und dieser meint, die IT-Leute werden immer mehr zu Hausmeistern und umgekehrt. Hintergrund ist die Konvergenz aller (Haus-)Technik hin zu IP-Netzwerken sowie die zunehmende Standardisierung von IT-Basisdiensleistungen.
Der ITler in mir verkrampft sich bei solchen Aussagen; vor allem auch deshalb, weil Andreas damit recht hat und somit einen wunden Punkt trifft. Allerdings gebe ich ihm nur zu 90% recht, und über die wichtigen 10% will ich hier nun bloggen:

Die IKT ist eine Geheimwissenschaft. In beinahe jedem Unternehmen zeigt sich dasselbe Bild: Die Techniker sitzen auf enormen Budgets, deren Verwendung nahezu immer intransparent ist. Fachabteilungen beschweren sich über Trägheit der IT, diese wiederum kontert mit Nicht-Machbarkeit, Ressourcenengpässen, Performanceproblemen oder Sicherheitsrisiken – nicht selten alles Probleme der selbst gewählten Systemlandschaften. (…)

Durch den hohen Erfolg der Automatisierung und den damit verbundenen raschen Aufstieg des IKT-Personals während der letzten zwanzig Jahre entscheiden heute nun die “Zangler” über Kernthemen des Unternehmens. (Zur Etymologie des “Zanglers”: Dieser arbeitet mit Werkzeug statt Hirn – also Zange – und steckt PC-Bauteile unterm Schreibtisch zusammen.) Die Situation ist wohl nicht gesund für ein Unternehmen, das vom Umsatz abzüglich der Kosten leben muss.

Der Aufbau eines typischen Unternehmens ist dabei wie folgt:

Screen shot 2014-03-16 at 3.44.33 PM
IKT innerhalb einer typischen Unternehmensstruktur: Ein Bereich neben dem anderen.

Lösung: Outsourcing?

Viele Unternehmen reagieren auf die oben geschilderte Situation mit teils radikalem Outsourcing. In der Hoffnung, IKT-Kosten langfristig zu senken, werden Telefon, Server, Software & Co. an IT-Dienstleister weitergereicht. Die Hotline verschwindet so in Indien, die Softwareentwicklung in Osteuropa und die Anwendungen selbst in der nicht näher lokalisierbaren Cloud.

Den gesunkenen Betriebskosten steht nun aber gestiegener Management-Overhead gegenüber: Über die Grenze von Unternehmen, Zeitzonen, Sprachen und Kulturen lassen sich Projekte nunmal nicht so einfach durchführen. (Dass Outsourcing in der Softwareentwicklung selten klappt, ist im Plädoyer gegen Outsourcing schön auf den Punkt gebracht.)

Fazit bislang: Die Zangler haben die Macht im Unternehmen übernommen, und Outsourcing ist auch keine Lösung.

Lösung: In- und Outsourcing parallel

Ich erkenne in Unternehmen den zunehmenden Trend, gleichzeitiges In- und Outsourcing nicht als Widerspruch zu sehen. Dabei werden die Allerweltsprodukte, die commodities, ausgelagert und parallel dazu die (Weiter-)Entwicklung strategischer Kernanwendungen ins Unternehmen (zurück) geholt.

Konkret heißt das, dass der Betrieb von Servern oder die Wartung von Office-PCs günstiger von Externen gemacht werden. Anwendungen entlang der eigenen Wertschöpfungskette sollten aber im Haus wachsen. (Wäre ich etwa eine Bank, würde ich nie und nimmer mein Online-Banking aus der Hand geben – die Bankomaten kann aber jemand anders warten.)

Unternehmen sollten erkennen, dass zwischen dem I (Information) und dem KT (Kommunikationstechnologie) ein enormer Unterschied besteht.

Information ist eine einzigartige Ressource im Unternehmen. Anders als Rohstoffe ist sie beliebig speicherbar. Anders als Geld ist sie beliebig kopierbar und nicht zu lenken. Die Ressource Information, die ich meine, hat weniger mit Bits und Bytes, als mit den Menschen, die sie entdecken, anwenden und verteilen zu tun.

Information ist Schnittstellen-Thema ansich. Das war immer schon so, nur fällt es uns immer mehr auf. Heute baut man kein Produkt mehr und bietet keine Dienstleistung an, ohne zuvor hunderttausende Daten gesammelt und ausgewertet zu haben. Heute kann nur noch in den seltensten Fällen ein Einzelner etwas mit entscheidendem Mehrwert erschaffen und verkaufen. Produkte und Prozesse sind enorm komplex, die gegenseitigen Abhängigkeiten unüberblickbar.

Wir benötigen Information und keine Diskussionen über Windows-Updates, Speichervolumina oder Verkabelungen. Spiegelbildlich wäre das ja so, wie wenn sich Personalabteilungen über Bürosessel Gedanken machen würden, weil ja immerhin die Mitarbeiter darauf Platz nehmen.

hoj
IKT wie sie sein sollte: 90% der Themen gehören ausgelagert, Information als strategische Ressource allerdings zur Chefsache erklärt.

Information ist Chefsache und fällt idealerweise auf strategischer Ebene mit der Geschäftsführung zusammen. Fragestellungen sind etwa: Wie funktioniert mein idealer Akquise-, Bestell-, Liefer- oder Reklamationsprozess? Auf operativer Ebene heißt es dann diese Idealbilder in konkrete Systeme zu gießen, Verantwortlichkeiten zu benennen, Schulungen durchzuführen, Erfolg zu messen und gegebenenfalls nachzubessern, notfalls sogar Software anzuschaffen. Was aber wohl öfter gebraucht wird: Eine IKT-Schlankheitskur, wo deinstalliert anstatt hinzugefügt wird.

Wer an diesem Punkt nun Sicherheit und Datenschutz einwerfen will: Das Argument mit den Datenschutzrisiken konsequent weitergedacht, müssten wir ja auch unsere eigenen Zahlungsverkehrssysteme, Internetprovider und Mobilfunker betreiben. Outsourcing bleibt das Um und Auf bei Basisinfrastruktur.

Softwareentwicklern mit Gespür für betriebliche Problemstellungen steht eine goldene Zukunft bevor. Codemonkeys und Zangler hingegen werden in den kommenden Jahren enormen Kostendruck zu spüren bekommen.

tldr;

Liebe Unternehmen: Schiebt eure Server zu Google, aber kümmert euch um euer Personal!

[1] Über das Format “Offline-Breakfast” sollte ich auch noch bloggen. Es geht jedenfalls darum, in ca. zwei Stunden ohne Ablenkung durch Smartphone & Co. über die Zukunft zu plaudern. Das Ganze findet früh morgens samt gutem Essen statt.

business

IT Jobs 2014

Eines meiner Privilegien als FH-Lektor ist es, Studierende an (für mich) spannenden Themen arbeiten zu lassen. Danke also an Doris Schweng für Recherche und hervorragende Aufbereitung der Jobsituation in Österreich für IT-Kräfte. Hier also die wichtigsten Punkte:

Gehälter

System- und Netzwerkadministrator
                    von        bis (brutto)
Einstieg            1.940,00   2.250,00
6-8 Jahre Erfahrung 2.500,00   3.660,00

Datenbankadministrator
                    von        bis (brutto)
Einstieg            2.040,00   2.270,00
6-8 Jahre Erfahrung 3.000,00   4.100,00

SoftwareentwicklerIn
                    von        bis (brutto)
Einstieg            2.040,00   2.270,00
6-8 Jahre Erfahrung 3.100,00   4.275,00

IT LeiterIn
                    von        bis (brutto)
Einstieg            2.880,00   3.000,00
6-8 Jahre Erfahrung 4.640,00   6.960,00

Daten stammen von AMS und Metajob. Zu meiner großen Verwunderung empfindet meine FH-Gruppe die (rechten!) Gehälter als eher niedrig.

Was sind die Trends?

Gefragt

  • UX Skills (Produktentwickler)
  • Cloud expertise
  • IT security
  • Big data analysis

Weniger gefragt

  • UI Design (Grafikdesign ist inzwischen zu wenig)
  • SAP & Oracle (zunehmendes Outsourcing)
  • iOS native (siehe: Schluss mit den Apps!)

Programmiersprachen

metajob
Das Portal metajob.at bietet hervorragende Einblicke in den Jobmarkt für IT-Kräfte.
  • HTML5/JavaScript
  • Java
  • Python
  • Scala
  • Ruby

Achtung: Die Daten stammen von TechRepublic, und ich vermute, dass die Situation hier in Europa etwas traditioneller aussieht. Folglich weniger “heißer Scheiß” und mehr C#, Java und SAP gefragt.

War for talents

“Es gibt keinen gut ausgebildeten IT-Spezialisten, der arbeitslos und auf Jobsuche ist.”

Es herrscht enormer Fachkräftemangel. Suche erfolgt zunehmend über Headhunter.

tldr;

Wer noch nicht programmieren kann, sollte sich spätestens jetzt das Python Tutorial anschauen. Wer bereits in der Softwareentwicklung tätig ist: Gratulation, wir sind Teil einer privilegierten Gruppe, die Spaß am Job hat und dabei sehr gut bezahlt wird. Sollten Spaß und/oder Bezahlung aktuell nicht passen, dann ist es wohl Zeit zu wechseln.

travel

Fotostrecke Campus WU

Zum Abschluss, und weil’s im Blog über den Altstandort nachgefragt wurde, gibt’s hier eine nicht ganz ernst gemeinte Fotostrecke zum neuen Campus WU.

Die Vorbilder finden sich hier.

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TC/D1
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business

Selbständig neue Wege gehen

Nach spannenden Jahren an der WU ist es für mich an der Zeit, einen neuen Weg zu beschreiten.

Und da ich wohl kaum einen abwechslungsreicheren Job als meinen bisherigen finden werde, führt der Weg in die Selbständigkeit.

Die Firma ist gegründet, sie heißt c99 und wohnt (noch) daheim im Bügelzimmer, die ersten Umsätze sind getan, und – am Wichtigsten – es macht wirklich Spaß!

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Visitenkarten druckfrisch in den Händen meiner Grafikerin.

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Business und IT sind unglaublich komplex – oder schlimmer noch – kompliziert. Ein zentrales Thema meiner bisherigen Arbeit war der langfristige Umgang mit betrieblicher Komplexität. Dazu zählen unklare Anforderungen genauso wie häufige Änderungen, Zeitdruck, Ressourcenmangel oder externe Gesetzgebung.

Ich habe an der WU vermutlich um die zwei Millionen Zeilen Code geschrieben und dabei wohl jeden Fehler begangen, aber – anders als externe Berater – diese auch selbst ausbaden müssen. Ich habe mich in unzähligen Umgebungen (Webanwendungen, Data Warehouse, Zutrittskontrollsysteme, Smartcards, SAP FI/CO und HCM, Kiosk Terminals) und Programmiersprachen (Python, JavaScript, Perl, PL/SQL, C, ABAP, Java, PHP) ausgetobt.  Ich habe viel gelernt und habe nun ebenso viele Ideen.

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“Wie gründe ich eine GmbH?”, angewandte Komplexitätsreduktion: Mein Weg zur eigenen Firma.

Ich werde mich dem Thema Komplexität widmen – sei es als Berater, Entwickler oder in einer gänzlich anderen Rolle. Die Nachfrage danach ist jedenfalls enorm.

What’s in a name, what’s in a logo?

Abschließend nun ein wenig Namens- und Logo-FengShui, weil ich sehr oft gefragt wurde, was denn c99 zu bedeuten hätte.

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Logo und Subline der c99 Business Services GmbH.

Das c steht für 100 Begriffe wie createconsult, code, communicatecompete oder cooperate – jedenfalls nicht für complicate. Den guten 99 will ich mich widmen, complicate gilt es zu verhindern. Außerdem sind die 99 eben nicht 100 – für manche hat das den Touch von unfertig, für mich von Effizienz und Pragmatismus. Aber wer beim nächsten Waschmitteleinkauf 10,99 zahlt und dabei an c99 denkt – auch ok.

Das Logo wiederum spielt mit einer Referenz zur Chemie: Unsere physische Welt besteht aus lediglich knapp über hundert Elementen. Die unglaubliche Vielfalt wird erst durch Kombinationen dieser wenigen Einzelteile erreicht. Modularität spielt jedenfalls auch in der IT eine herausragende Rolle. Die stilisierten Atombrücken – in der IT würde man sie Interfaces nennen – stellen diese Kombinationsmöglichkeiten dar.

Und ganz nebenbei: Das kleine c ist der 99. Buchstabe im Unicode.

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Mathias ist jetzt selbständig. Abseits des esoterischen Namens und Logos bestehen inzwischen echte Umsätze.

Webseite der c99 Business Services GmbH

hacks

Von Algorithmen, Königreichen und Platzmangel

Obwohl ich mit dem vergangenen Post zum Thema Campus WU das Projekt für mich selbst abschließen wollte, muss ich hier noch einen Artikel nachschießen:

In der aktuellen Uni-Beilage von Der Standard komme ich als Vertreter der WU zu Wort. Der Artikel handelt vom Tool “more space”, das wir vorab zur Simulation der Gebäudeauslastung eingesetzt haben.

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“Der Standard”-Artikel über Raumeffizienz an den drei großen Wiener Universitäten.

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Unis verschwenden enorm viel Platz durch unflexible Stundenpläne und Besitzansprüche einzelner Mitarbeiter. An der WU läuft die Verteilung der Ressource Raum zentral und daher deutlich effizienter, als vermutlich anderswo.

IT project management

Campus WU: Drei Jahre in drei Minuten

Drei Jahre intensive (Projekt-)Arbeit, oder physikalisch ausgedrückt: Große Masse mal hoher Geschwindigkeit mal viel Weg.

“Man muß ins Gelingen verliebt sein, nicht ins Scheitern.”
Ernst Bloch

Door Signs

Über 200 Stück am gesamten Campus verteilt: Starten und aktualisieren sich über Netzwerk, gehen nachts schlafen, lesen Blinden die Belegung vor und kosten dabei ein Viertel der ursprünglichen Planung.

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61 der über 200 Displays vor Ort. Die angezeigte MAC-Adresse diente als Key bei der Inbetriebnahme.

Blogs dazu:

Self Service Terminals

Zehn Selbstbedienungsautomaten vor dem Study Service Center: Eine technische Herausforderung, barrierefrei, verbesserte Usability und – nach wahnsinnig stressiger Inbetriebnahme – inzwischen stabil.

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Zwischenzeitlich haben tausende Studierende die Self Service Terminals im Library Center genutzt. (Sechs Terminals im Bild mittig; © Mathias August 2013)

Blogs dazu:

Final-Teilnahme beim Niederösterreichischen Innovationspreis.

Rooms

Dezentrale Raumbuchung für knapp 30.000 Benutzer_innen: Inhaltlich ist es Logistik pur samt dynamischer Lagerhaltung, Simulation, Statistik und passenden Visualisierungen. Rein technisch eine Herausforderung in JavaScript.

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Screenshot: User Interface der Raumbuchung für Studierende.

Blogs dazu:

Byte Bar und Leitsystem Terminals

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Die ByteBar- und Leitsystem-Terminals vor der Montage am Campus WU; Codename “Super-Toblerone”.

Surfstationen mit Login mittels berührungsloser Karte; Touchschirm, barrierefrei. Das Schwesterprojekt “Leitsystemterminal” dient zur Orientierung am Campus.

Blogs dazu:

API

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Digital Signage Screens, die prominentesten Kunden unserer Lehrveranstaltungs-Daten API.

Viele unserer Daten sind – auch öffentlich – über Programmierschnittstellen verfügbar. So greifen alle hier beschriebenen Services auf dieselben Daten zurück, überall liest dieselbe Stimme Blinden vor, überall läuft dieselbe Logik, das Design ist gleich: managing complexity eines übergroßen Projekts eben.

Identmedien RFID

Eine Studierende holt sich einen Ausweis, verschließt ihre Sachen in einem der 3.600 Spindkasteln, bezahlt anschließend bargeldlos in der Mensa und öffnet einen gebuchten Projektraum: Keine Selbstverständlichkeit, läuft aber (immer besser).

Campus GIS

Geo-Informationssystem des Campus WU: Verortung von Personen und Organisationen, Suche nach POIs, Modellierung eines Routingnetzwerks zur Navigation, Flug einer Drohne für hochauflösende Luftbilder. Tool live: gis.wu.ac.at

Detaillierte Pläne, Suche, Routing bis hin zum Buch
Im Screenshot: Detaillierte Pläne der Regale zum Auffinden von Büchern in der Universitätsbibliothek.

Thanx + Uff!

Gerne würde ich hier behaupten, ich hätte das Alles programmiert, habe aber dann doch oft nur E-Mails geschrieben oder bin in endlosen Meetings gesessen. Ich musste langweilige Ausschreibungstexte querlesen, extern erdachte Konzepte ertragen, Kostenschätzungen durchs Haus schicken, Ideen verteidigen und am Widerstand Dritter scheitern sehen… Vier Befestigungsschrauben meiner Terminals kosteten mich so ein halbes Jahr Abstimmungsaufwand.

Als im Feuer getaufter Planerschlossertischlerdesignerentwickler kann ich nun verorten, kollaudieren, ausschreiben, beschaffen, eintakten, einbringen, einkippen, und Katzen hüten. Ich habe am Weg viele beeindruckende Menschen kennengelernt und dafür bin ich dankbar.

Es war ein Heidenspaß, ein Riesenstress und manchmal auch ein Mordsärger, vor allem aber war’s einzigartig und großartig. Wann und wo wird also der nächste Campus gebaut?

travel

Krakau

Die Zutaten zur inzwischen dritten Ost-Tour (Montenegro, Sofia) sind denkbar einfach: Der am entsprechenden Wochenende (halbwegs) günstigste Flug mit Austrian führt in eine bis dahin unbekannte Metropole im Osten. Ohne touristische Vorbereitung quartiert man sich im besten Hotel der Stadt ein und geht auch dementsprechend luxuriös essen.

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Im Studio des Bracka 6 wird feudal gehaust.
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In Wien hätte ich so ein Foto wohl nie im Leben gemacht…
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Gutes Essen, gute Stimmung, Sehenswürdigkeiten.
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Der Wawel, die Residenz der ehemaligen Könige Polens – wie passend!
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Der Hauptmarkt ist Treffpunkt der Touristen und zahlreichen Studenten.
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Wir essen im hervorragenden Pod Aniolami. Das Wildschwein ist zwar zu Tode gebraten, doch die Kellnerin macht alles wieder gut.
hacks

Last-minute door hack

Im Rahmen eines Großprojekts wird auf einige Türen und die Steuerbarkeit selbiger vergessen. Und schon sitzt man in einer großen Runde und diskutiert unter Zeit- und Kostendruck viele umständliche Lösungen. Was hier folgt, ist die wahrscheinlich größte Kosteneinsparung pro Zeiteinheit Softwareentwickler in der Geschichte des Häuslbauens – mein unvorstellbarer Kaffeekonsum bereits berücksichtigt… 

Man sollte meinen, eine Tür über einen Taster zu öffnen sei trivial. Doch was ist in einem Gebäude mit 1.500 Mitarbeitenden und 6.000 Türen schon trivial? Insbesondere wenn man nicht Türtaster auf jeden Schreibtisch stellen kann, und das Gebäude wenige Wochen vor Eröffnung ansich bereits fertig verkabelt sein sollte.

Elektriker öffnen Türen üblicherweise über potentialfreie Kontakte, also mit viel Kupfer zwischen Tastern und den Türen, aber eigentlich auch nur deswegen, weil die law of the instrument greift:

“if all you have is a hammer, everything looks like a nail”

Ich glaube, diesmal war dieses Gesetz auf meiner Seite, bzw. war ich eben in diesem Moment derjenige mit dem richtigen Hammer. Nailed it!

Türen via TCP/IP öffnen

Im Rahmen des Projekts rund um die elektronische Schließanlage haben wir uns eine Programmierschnittstelle (API) ausbedungen, welche unter anderem auch Türen öffnen soll. An einer Universität bestehen hierfür zahlreiche Anwendungsfälle, beispielsweise beim Öffnen von Lehrräumen während gebuchter Veranstaltungen. (An der “alten” WU habe ich das bereits mit einem heldenhaften reverse engineering des Kaba-Systems exos 9300 zustande gebracht. Aber damals gab’s diesen Blog noch nicht und ich hatte auch noch deutlich mehr Zeit zum Programmieren.)

Der richtige Client

Die Türöffnung via Klick auf einer Webseite auszulösen, drängt sich aus technischer Perspektive auf. Doch was ist mit Personen, die keinen  Rechner besitzen, oder gerade wieder mal auf das elendslange Einspielen diverser Windows Patches warten müssen? Eine Türöffnung sollte immerhin augenblicklich erfolgen.

Von einer vor der Tür stehenden Besucherin wird man angerufen, man ist also bereits am Telefon. Aus funktionaler Sicht liegt es folglich nahe, die Türöffnung auf dem Telefon zu bedienen. Cisco sei dank, gibt es für deren Call Manager eine umfangreiche Schnittstelle zur Steuerung des Telefons via XML.

ooo
Über XML eingespieltes Menü für mein Cisco Telefon.

Der Quellcode zur Darstellung des Menüs auf dem Foto:

<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<CiscoIPPhoneMenu>
  <Title>Bach Door Service</Title>
  <Prompt>Security FTW</Prompt>
  <MenuItem>
    <Name>IT Front Office</Name>
    <URL>https://bach.wu.ac.at/dd/playground/dooropener/open/1</URL>
  </MenuItem>
  <MenuItem>
    <Name>IT Back Office</Name>
    <URL>https://bach.wu.ac.at/dd/playground/dooropener/open/2</URL>
  </MenuItem>
</CiscoIPPhoneMenu>

gfg
Tür offen!

HTTP und Security

Sind alle Komponenten fertig, gilt es diese über HTTP zur Verfügung zu stellen. (Bevor noch jemand meckert: Telefone landen in einem eigenen VLAN – Türen gehen nur bei Anfragen aus dessen Adressbereich auf.)

e drfr fdw
Web-Interface zur Verwaltung von Telefonen, Türen, Personen und Organisationseinheiten. Die beiden letzteren werden automatisch aus SAP übernommen.
fdfdf
Bei Tastendruck am Telefon wird ein reverse lookup durchgeführt, der entsprechend zugeordnete Türen beim Telefon, bei der eingeloggten Benutzerin und deren Organisationseinheiten sucht. Zur Kontrolle gibt’s die Funktion auch im Web.

tltr;

Etwas Wagemut, acht Stunden Python-Hack und schon ist ein ganzes (Um-)Bauprojekt überflüssig.