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Mehr als nur Schuhe, oder: Ich bin sentimental

Nach 12 Jahren und ungezählten Höhenmetern haben meine Bock gerade die brettlebene Asphaltstraße am Stadtwanderweg III nicht überlebt. Zeit für ein pedales Requiem:

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Nach 12 Jahren lösen sich gleichzeitig beide Sohlen ab. Man könnte ja beinahe geplante Obsoleszenz vermuten; zufrieden wie ich aber war, werd’ ich mir aber wieder Schuhe von Meindl holen.

2005 erstanden, hab’ ich mit ihnen im vergangenen Dutzend an Jahren viele Spaziergänge, Gatschtouren, Zustiege zu Kletterrouten, Bergbesteigungen und Pferderitte unternommen.

Auf sechs von sieben Kontinenten dieser Erde hab’ ich sie getragen; meist auch schon auf den Flügen dorthin weil sie nicht ins Gepäck passen wollten.

Ich stand mit ihnen auf vielen Gipfeln, unter anderem am jeweils höchsten Berg Wiens, Litauens, Südostasiens und Afrikas – allein diese Kombination an Gipfelsiegen verdeutlicht die abwechslungsreiche Geschichte.

In der Wüste Namibias haben mich die Schuhe vor Schlangenbissen ebenso geschützt, wie vor der schwefelhaltigen Ursuppe auf White Island oder auch vor fallendem Werkzeug beim Umbau unserer Wohnung.

 Gemeinsam sind wir auf Pferden geritten gesessen, zum Beispiel auf Touren im Monument Valley, dem schönen Mostviertel, im verrgeneten Irland oder in einem atemberaubenden Gletschertal irgendwo auf der Südinsel Neuseelands.

Seit Tagen liegen die Schuhe nun vor meiner Tür, und ich schaffe es nicht, sie da unten in den Müll zu werfen. Ein Schuh ist wohl mehr Ich, als jedes andere Kleidungsstück. Und was mich wirklich quält, sind weniger die Erinnerungen, die ja bleiben. Vielmehr ist es die Frage, was das nächste Paar denn bringen wird. Weitere Rekorde an Gipfeln und Reisezielen? Was wird wohl aus mir selbst geworden sein nach dem nächsten Dutzend an Jahren?

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Fotostrecke Campus WU

Zum Abschluss, und weil’s im Blog über den Altstandort nachgefragt wurde, gibt’s hier eine nicht ganz ernst gemeinte Fotostrecke zum neuen Campus WU.

Die Vorbilder finden sich hier.

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Krakau

Die Zutaten zur inzwischen dritten Ost-Tour (Montenegro, Sofia) sind denkbar einfach: Der am entsprechenden Wochenende (halbwegs) günstigste Flug mit Austrian führt in eine bis dahin unbekannte Metropole im Osten. Ohne touristische Vorbereitung quartiert man sich im besten Hotel der Stadt ein und geht auch dementsprechend luxuriös essen.

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Im Studio des Bracka 6 wird feudal gehaust.
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In Wien hätte ich so ein Foto wohl nie im Leben gemacht…
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Gutes Essen, gute Stimmung, Sehenswürdigkeiten.
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Der Wawel, die Residenz der ehemaligen Könige Polens – wie passend!
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Der Hauptmarkt ist Treffpunkt der Touristen und zahlreichen Studenten.
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Wir essen im hervorragenden Pod Aniolami. Das Wildschwein ist zwar zu Tode gebraten, doch die Kellnerin macht alles wieder gut.
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Abschied von der WU

Über den Campus WU wird dieser Tage viel berichtet.

Mit der Übersiedlung der WU an den neuen Standort blicke ich allerdings doch recht melancholisch auf meine WU zurück. Das UZA bleibt der mich prägende Ort aus Stahl, Glas und Asbest an dem ich studiert und gearbeitet habe. Zeit für einen Fotospaziergang durch verlassene Architektur, über die wohl auch in deren Entstehungsjahr 1981 viel berichtet wurde: 

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Spittelau, Ausgang Wirtschaftsuniversität: Zwischen 2000 und 2007 soll dies mein täglicher Weg zum Studien- und späteren Arbeitsort sein. Vier Jahre davon zahle ich planmäßig für Fahrkarten der Wiener Linien, in den verbleibenden vier Jahren nur zwei Mal außerplanmäßig per Erlagschein: Betriebswirtschaft hautnah.
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Maître Leherbs fünf 8×8 Meter großen Mosaiken sind die größten Fayence-Malereien des 20. Jahrhunderts. Schon bei der Immatrikulation stechen sie mir ins Auge. Den Großteil der Zeit hatte man sie allerdings recht gut hinter Bank- und Karrieremessen-Standeln versteckt.
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Oktober 2000, Audimax: Ich sitze zwischen hunderten anderen auf der Stiege; Prof. Kasper eröffnet diese erste Veranstaltung meiner Studentenzeit sinngenmäß mit den Worten: “Aus feuerpolizeilichen Gründen darf ich diese Vorlesung nicht beginnen. Fangen wir also an!” Gerüchteweise wird das Parlament die WU als Ausweichquartier für deren eigene Renovierung besiedeln. Ab dann kann ich mit Recht behaupten, ich wäre zwischen 2000 und 2004 im Nationalrat gesessen.
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Jänner 2002. Mein Einstieg ins Berufsleben und in die IT. Beim Bewerbungsgespräch: “Hast du Erfahrung mit Linux?” Und ich: “Ist das das mit dem Pinguin?”
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Sommersemester 2003, Lokalszene: Nach meinem “Studienaufenthalt” in Thailand passieren mir knapp zwei Monate wilde Studentenzeit im Schnelldurchlauf. Danach bin ich wieder 40 wie ich das eben seit 16 bin. Im Bild: Die Hauptstiege der WU. Zwar hat sich die Damenmode geändert (im Zeitablauf: Arschgeweih, G-String, individuelles chinesisches Zeichen tätowiert, Thong), Alkohol wird aber nach wie vor getrunken (im Semesterablauf: billiger Glühwein, billiger Caipirinha).
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2004 bis 2006, Hochlager I: Mit Blick auf die Hauptstiege sitz’ ich im Glaskasten und schreibe viel Verwaltungssoftware und wenig Diplomarbeit. Seit meinem Wechsel ins Hochlager II werde ich anscheinend problemlos vom Gerümpel vertreten.
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Dezember 2005. Einen Stock über mir brennen Bibliothek und zwei Computerräume lichterloh. Ich stelle seelensruhig mein Auto währenddessen auf meinen Stammplatz in die Garage. Während das Auto löschwassernass noch trocknet werden bereits die Neubaupläne der WU verkündet.
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2006. Ich wechsle ins Hochlager II und bin jetzt direkter Nachbar von Prof.Kasper (s. Audimax). Mit Blick auf Fernwärme und Kahlenberg entstehen Data Warehouse, Wissensbilanz und eine iPhone-App.
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Frühjahr 2007. An diese Stelle lerne ich meine spätere Frau Isabella kennen. Meine mehrmals am Geländer angebrachten Gedenkschilder werden immer und immer wieder vom Reinigungspersonal entfernt.
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2005-2013, jeweils Dienstag halb sechs: Lauftreffen (und danach Duschen) an der WU. Egal ob Vorbereitung für Halb- oder Richtigmarathon, oder nur Fitness und Plaudern: Laufen entlang des Donaukanals, vorbei an den Löwen und dem Donaufritzi in Nussdorf bis zu den Busreisentouristen nach Klosterneuburg, das alles wird’s so nie wieder spielen…
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Montenegro (Schwarzenberg)

OS7061 nach Podgorica – die Dash 8 ist zwar voll, Touristen sind jedoch keine an Board. Montenegro Anfang April ist wohl auch keine typische Urlaubsdestination.

Am Flughafen nehmen wir einen serbischen Leihwagen entgegen, die Fahrt in die Innenstadt Podgoricas ist abenteurlicher, als so manche Durchquerung Afrikas. Schon jetzt wird klar, warum zwar Handlung, aber nicht der Drehort des James Bond Streifens Casino Royale hierher verlegt wurde:

Wo sind die schönen, dichten Wälder und sattgrünen Wiesen geblieben, die beim Landeanflug lockten? Wo ist das Hotel Splendide, das einen sehr ordentlichen Eindruck machte, wo das Casino, in dem Bond den Krieg gegen den Terror am Pokertisch führt?
FAZ, Reisebüro Bond

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Montenegrinisches Stilleben. Die Kirche ist eines der wenigen Bauwerke, die nicht vom österreichischen Steuerzahler via Hypo Alpe Adria finanziert wurden.
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Verpackung naja, der Preis stimmt.
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Mathias, aka Matiesko, bei Brunswick. Was soll man sonst tun, wenn man im Hotel ein “There is nothing to see here” gesagt bekommt?
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Auch die deutsche Modeindustrie stellt sich auf die Vorliebe der Einheimischen zu Trainingsanzügen ein.
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Sehenswert: Weltkulturerbe Kotor.
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Kotor II.

Wer Lust auf Osteuropa off the beaten track bekommen hat, dem sei das vereiste Sofia im Jänner empfohlen.

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Das Meta-Foto

Beim Sortieren meiner Fotos ist mir aufgefallen, dass – egal wo man hinfährt – man doch immer derselbe bleibt.

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Istanbul (Türkei) 2012.
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Baños (Ecuador) 2011.
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Antigua Guatemala (Guatemala) 2012.
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Soweto, Johannesburg (Südafrika) 2011.
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Hakone (Japan) 2012.
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Budva (Montenegro) 2013.
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Projekt “Trans-Kalahari” oder: Afrika für Fortgeschrittene

Eine Tour de Force von Jo’burg nach Windhoek

Eine Hochzeit in Kapstadt war Anlass meiner inzwischen sechsten Reise ins Subsahara-Afrika. Doch wer schon fünfmal zuvor gut organisierte Safariparks und Game Lodges gesehen hat, der will eine Tour für Spezialisten: Und so kam es, dass Isabella und ich eine sehr spezielle Tour mit einigen Überraschungen machten…

Aber was wäre anders zu erwarten gewesen, gründete die ganze Idee der Routenplanung auf dem Botswana-Special der britischen Serie Top Gear. Hier zunächst unser Routenüberblick:


Größere Kartenansicht

Tage 12
Gefahrene Kilometer ca. 2.500
  davon ca. 1.000 Offroad, v.a. Sand und Schlamm
Fahrzeug Toyota Landcruiser mit 2 Tanks, Wassertank, 2 Reservereifen,
Wagenheber, Spaten, ... komplette Campingausrüstung inkl. Grill, 
2 Gasflaschen, Kühlschrank und Dachzelt
Spritverbrauch ca. 350l Diesel
1 Satellitentelefon (Iridium) für Notfälle
1 GPS (am Smartphone)

Jo’burg nach Botswana

In Johannesburg schlafen wir beinahe schon traditionell im außergewöhnlich schönen Ashdown House. Das Frühstück ist erlebenswert, beim Verlassen des Anwesens habe ich den ersten Autounfall, da der vollkommen überdimensionierte Toyota Landcruiser rückwärts ausschließlich im Blindflug operiert. Die Schäden am Schiebetor sind schnell repariert, und wir können uns aufs Einkaufen und Volltanken konzentrieren.

Die erste Nacht der Tour verbringen wir im Waterberg Wilderness Reserve nahe der Grenze zu Botswana. Über die Grenze (Martin’s Drift) schmuggeln wir etliche Kilogramm Fleisch und Milchprodukte, da diese in Südafrika billiger, vor allem aber wohl auch frischer zu haben sind. Die unglaublichen Distanzen werden uns hier erstmals bewusst, als wir’s bis zum Sonnenuntergang nur noch bis Palapye schaffen, einer jener  Orte, die man wirklich nicht gesehen haben muss.

Die Salzwüste durchquert

Unser Ausgangspunkt der nächsten Etappe ist der Ort Letlhakane. Bei der örtlichen Shell starrt die Tankwartin angespannt auf die Anzeige der Zapfsäule. Dann: Stromausfall – und sie schreibt mit absoluter Selbstverständlichkeit die letzte Zahl, die sie gesehen hat, auf einen weißen Zettel. Nach einer halben Stunde bezahlen wir die Summe aus fünf derartigen Teil-Betankungen, natürlich Cash denn die Kreditkartenkassa sei selten online, sagt sie.

Wir suchen übrigens vergeblich die Stelle, an der man die Nationalparkgebühren oder sonstwas entrichten muss. Und so fahren wir ganz ohne der üblichen Bürokratie weiter, und vor uns erstreckt sich ein weißes Meer aus Salz. Einen steinigen Weg geht es noch hinab und dann war’s das auch mit Weg und Navigation: Von hier aus heißt’s gerade aus mit Karte und GPS – in weiter Ferne tanzen drei Windhosen am Horizont.

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Entering Makgadikgadi: Nein, das ist kein Meer am Horizont!

Die Makgadikgadi (sprich: Machadichadi) ist eine Ansammlung mehrerer Salzpfannen der halben Größe Österreichs. Zwischen Savannen-artigen Inseln erstrecken sich endlose Weiten von Salz verkrusteten Schlamms. Die Oberfläche ist dank Hitze hart, bricht man allerdings ein, versinkt man im Schlamm darunter. Insbesonders während der Regenzeit – und ja, es war Regenzeit! – wird die Durchquerung so zum Glücksspiel: Hält die Oberfläche oder bleibt man in dieser Crème brûlée aus Salz und Dreck stecken?

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Wir sammeln gutes Karma: Der rote Pickup im Hintergrund ist aus dem Sand befreit!

Auf einer der Inseln suchen zwei Beamte des Landwirtschaftsministeriums unsere Hilfe. Nach zwei langen Tagen im Sand waren sie doch recht froh, als wir ihren Wagen nach etwa einer Stunde herausgezogen hatten. Botswana ist das Land der Veterinary Fences, Zäune die Migration großer Herden kontrollieren und so vor Maul- und Klauenseuche schützen. Stecken die Zaunwächter also gerade nicht im Sand fest, untersuchen sie gerne Autokühlschränke auf landwirtschaftliche Produkte. Dabei gilt, fährt man nach Süden, sind sie um Längen strenger, als wenn man sich in entgegengesetzter Richtung bewegt. Man muss dann oft auch über Seuchenteppiche marschieren oder abenteuerliche Wasserdurchfahrten durch Desinfektionsbecken machen.

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Spaghetti-Kochen am Salzsee.
Kubu Island
Kubu Island

Spät nachmittags erreichen wir Kubu Island, das uns angesichts der glühenden Hitze und den Moskitos gar nicht willkommen heißen will. Nach ein paar obligaten Fotos geht’s also weiter, und zum Sonnenuntergang kommen wir mitten im Nirgendwo zum Stehen. Eine kurze Nacht später geht’s am Morgen weiter: Nach Durchquerung der letzten Pfanne verliere ich im Busch die Orientierung, und wir verlieren uns in einem endlosen Grasland ohne Spuren anderer Fahrzeuge vor uns. Wir irren also so gut wie möglich zurück zum letzten confirmed point und treffen auf eine kleine Ansiedlung von Viehhirten. Vor lauter Glück, wieder einen Weg zu haben, schenken wir den Kindern Essen und Kleidung. Es kostet uns noch ein paar anstrengende Stunden bis Gweta, aber als wir nach zwei Tagen wieder Asphalt unter den Füßen haben, fühlt sich das enorm sicher und gut an…

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Been there, done that!

Okavango Delta

Maun, das klang in meinen Ohren immer abenteuerlich wie Timbuktu, Chichicastenango oder Samarkand. In Wirklichkeit ist Maun ein hässlicher Haufen aus Baumärkten und Tankstellen: Sogar der typische Gewerbepark des nördlichen Niederösterreich sticht da durch architektonische Lieblichkeit hervor. Die Lodges rund um Maun kann man sich als Normalsterblicher nicht leisten: 600 USD pro Kopf und Nacht aufwärts waren uns dann doch zu teuer. Selbst die Anreise mit dem Sportflufgzeug (fly-in safari) macht solche Preise nicht wett.

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Zebrastreifen

Anyway, Maun muss man als große Tankstelle (und Dusche!) akzeptieren, Permit für die Moremi holen und weiter geht’s. Anders als in Parks wie etwa Krüger oder Etosha gibt es in der Moremi keine touristischen Trampelpfade und eingezäunte Camps. Unser Schlafplatz heißt unaussprechlich Xakanaxa. Am späten Nachmittag versenke ich den Geländewagen schlussendlich in einem Schlammloch, was den ehelichen Frieden, nun ja, … stört.

Isabella, nicht immer von meinen Plänen begeistert.
Isabella, nicht immer von meinen Plänen begeistert.

Nach vergeblichen Versuchen, mit eigener Kraft da raus zu kommen, hat sich der Landcruiser tief im Schlamm vergraben. Die Vorderräder stehen beinahe ohne Traktion in der Luft, die Hinterräder verschwinden komplett im Dreck. Es ist schwül, und auf uns rollt eine majestätische Gewitterwand zu. Zwei Ranger des Nationalparks kommen mir mit einem Traktor zu Hilfe, der aber den überschweren Toyota auch nicht heraus zu hieven vermag. Mit dem Wagenheber wird also das Auto angehoben und mit Spaten, Händen und Füßen wird mühsam der Schlamm abgegraben. Steine helfen dabei, eine Straße unter der Wasseroberfläche zu “bauen”. Als das weiße Monster wieder im Trockenen steht, bin ich von Mücken zerstochen, dreckig und schweißgebadet.

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Da wird man wohl graben müssen.
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Es war nicht meine Schuld… Ein Zoom auf meinen Gesichtsausdruck ist sehenswert.
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The difference between an man and a boy is the cost of his toy.

Zwei Sekunden Spaß, drei Stunden Auto ausgraben. Nur ein ungeplantes Kind hat eine noch schlimmere Fun/Consequences-Ratio.

Da es zwischenzeitlich Nacht ist, essen wir nur schnell ein paar Spare Ribs vom Grill und verzichten, komplett überanstrengt, auf den Abwasch.

Die Ribs locken Besucher an, und so starren wir, aus dem Schlaf gerissen, in die Augenpaare zweier Hyänen direkt vor unserem Wagen. Die beiden Besucher verwüsten unsere Campingküche und verziehen sich samt Geschirr, das ich am nächsten Morgen – über ein fußballfeldgroßes Gebiet im Busch verstreut – wieder einsammle.

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Vom Essen angelockt: Fleckenhyäne verwüstet unser Camp.
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… was am nächsten Morgen auch die Ameisen freut.

Der stylishe Luxus-Kontrast

Nach der Moremi hat’s Isabella und mir gereicht: Zu viel von Sperrdifferential und Campinggeschirr, eindeutig zu wenig von Spa und sparkling wine. Kurzum, wir fahren in einem Satz von der Moremi nach Windhoek – auch wenn es uns kein Tankwart oder Grenzbeamter glauben wollte.

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Via Iridium wird ein Tisch in der Heinitzburg reserviert…
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… wo 1.000km Trans-Kalahari später Austern serviert werden.

Windhoek – das ist die verschlafenste Hauptstadt dieser Welt. Mit dem (nur wirklich hier sympathischen!) Zauber einer deutschen Kleinstadt und dem Klima und Charme einer Wüstenfestung war Windhoek schon ein paar Mal Ausgangspunkt und Ziel spannender Reisen. In der Heinitzburg, einer namibischen Institution speisen wir hervorragend, im Hilton übernachten wir in der Dachgarten-Suite. Doch jetzt kam ja noch der Höhepunkt – die Hochzeit am schönsten Ende der Welt…

Eine Hochzeitsgesellschaft von rund 60 Personen, alle in Kapstadt zusammengefunden, um das Ja-Wort zweier wundervoller Freunde zu erleben. Segelcruise mit Sundwoner Drinks, Hochzeit am Strand, Villa mit Pool, Band, Sängerin, wahnsinnig-tolles Essen (wieder Austern!) und viele neue Freunde. Da unten mangelt es uns an nichts, und Isabella beginnt ihren “Ausstieg” zu planen. Wenn wir also mal ein paar Wochen nicht erreichbar sind, es ist sehr wahrscheinlich, dass wir dann in Kapstadt wohnen…

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Cruise vor Kapstadt: breezy sophisticated mit Sonnenbbrand. (C) Mona
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Überglückliche Gäste: beach formal. (C) Mona
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Thomas und Dag – wir wünschen euch nur das Beste! (C) Mona
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Belize & Guatemala 2012

Caye Caulker, Belize – ein paar Tage “chillaxen” zu Beginn unserer Reise: Kein Problem auf einer Insel, deren offizielles Motto go slow lautet. Aufstehen, in einem der zahlreichen Shops Essen besorgen, um die Insel Radeln, Fotografieren – viel mehr ist nicht zu tun.

Wir betauchen das sagenumwobene Great Blue Hole entlang des Barrierenriffs und ein paar weitere beeindruckende Tauchplätze, die mit Ammenhaien, spektakulären Korallenstrukturen, Höhlen und Wänden glänzen.

Danach tauschen wir Fahrrad gegen Mietwagen und drehen eine kleine Runde durch das benachbarte Guatemala. In der Weltkulturerbestadt Antigua erleben wir Ostern, das wohl nur noch im Vatikan selbst zu überbieten ist.  Tausende Menschen tragen Christus und Devotioanlien durch die Straßen und feiern ein letztlich doch sehr weltliches, farbenfrohes Fest mit Musik und Fressereien. Bei der Besteigung des Pacaya ist zwar keine glühende Lava auszumachen, aber der Ausblick auf die Vulkankette und Guatemala City hinterlassen Eindrücke, die ein Wiedersehen nicht unwahrscheinlich machen.

Sonntags in Chichicastenango findet einer der tollsten Märkte Zentralamerikas statt: Überraschend wenig Touristen, überraschend viel zum Staunen. Zum Abschluss besuchen wir den Lago Atitlán und verbringen eine Nacht im morbidesten Hotel der Welt.

Aber was schreibe ich, wo es doch Fotos gibt.

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Sauna-Ethnologie

Meine Mutter ist einer jener Menschen, die das Spirituelle in fremden Kulturen suchen. Auf ausgedehnten Reisen besuchte sie in den vergangenen Jahren Maya, Maori, Navajo und andere Menschen aus aller Welt.

Maya-Ritual in einer Cenote (Kalksteinloch) auf Yucatán. Natürlich gar nicht touristisch... Mexiko, 2009.

Der Ethnologe in mir ist da gänzlich anders gepolt. Im ecuadorianischen Regenwald spielte sich eines meiner Reise-Highlights etwa so ab:

US-Touristin: “You sew your own clothes? They’re so beautiful!”
Indianer: “No, they’re all from China like yours. Importing them comes cheaper for us.” 

Juventus-Shirt und das restliche Klumpert kommen aus China. Ecuador, 2011.

Exotisch und ursprünglich gibt es also nicht mehr. Zeit also, die spirituelle Suche zu Hause von Neuem zu beginnen. Zusammen mit meiner Isabella erkunde ich daher ab sofort die Heimat:

Spiritueller Aufguss

Auch bei uns tanzen Leute ums Feuer, hyperventilieren bis zur Trance und erzählen sich währenddessen mystische Erlebnisberichte von weidmännischen Mutproben, Feuerwasser-bedingten Nahtoderlebnissen und ländlichen Ritualen des gemeinsamen Grillhuhnverzehrs.

Die Rede ist vom typisch österreichischen Saunabesuch, dem krönenden Erlebnis der heimischen Kulturdreifaltigkeit neben einer Schnapspartie beim Wirten und dem Duzen jenseits der 1.000m Seehöhe.

Tatort Laa an der Thaya, Samstag Nachmittag, Februar 2011. Die Burgsauna füllt sich mit Uns’rigen und den zahlreich angereisten EU-Nachbarn. Der Badewaschel wirft in überraschend fließendem Tschechisch ein paar von denen wieder raus, weil die Füße am Holz und nicht am Handtuch waren. Kurze Diskussion über den Vorfall zwischen Orthodoxen und Liberalen. Die Sauna-Ampel schaltet auf rot, jetzt beginnt also die Garzeit.

Der Sauna-Älteste und somit einzig würdiger Schamane dieses Rituals tritt bedächtig mit Saunakübel und Schöpflöffel ein. Es riecht nach Glühwein, Wunderbaum und Zuckerwatte zugleich. Ein dreckiger Herrenwitz bringt die Runde in Stimmung, nur die Tschechen lachen nicht. Im Sinne ökumenischen Dialogs wird dieses Fehlverhalten allerdings selbst von den Hardlinern verziehen, die Vorfreude auf die Epiphanie am Elektroofen scheint zu groß.

Insgesamt drei Aufgüsse samt einer Zugabe wird uns der bierbauchene Meister mit umgeschlagenen Asia-Handtuch schenken. Im Scheine der Farblicht-therapeutischen Einbauleuchte wachelt diese Buddha-artige Erscheinung mit aller Kraft Hitze, Spiritualität und eigenen Schweiß in unsere Gesichter. Der Industrie-Duftstoff aus dem Saunafachhandel seines Vertrauens brennt fürchterlich in den Augen. Aber jetzt muss man(n) durchhalten und sich mit Superlativa beim G’schichteldrucken überbieten. Nach Aufguss Nummer zwei verlässt eine von Hitze und Männerhumor sichtlich gezeichnete Dame den Raum – ein Sakrileg, das nicht zu überbieten ist! Sauna-Patrioten und Tschechen finden so durch ein gemeinsames Feindbild wieder zueinand. Abkühlung im Kaltbecken, ein, zwei, sieben Runden Bier danach, Freundschaften fürs Leben – der Rest wird zur Legende und somit zum Gesprächsstoff für den kommenden Samstag.

Hoffentlich haben die Indianer eine Sauna! Arizona, 2005.

Liebe Leser, das ist großes Kino um die Ecke. Ab in die Sauna!

Ende Mai fliege ich mit meiner Mutter übrigens nach Indien. Wir werden ja sehen, ob wir dann unser touristisches Glück beim Guru oder in der Hotelsauna finden… 

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Im Wilden Osten: Eine Nacht in Sofia

Sofia, Bulgarien. Es ist Jänner und saukalt. Die Stadt ist in Schnee versunken, oder eher in dem, was nach schmelzen, erneut zufrieren, vermengen mit Abgasen und Bauschutt vom Schnee übrig bleibt.

Das schönste an Sofia ist zunächst jedes Ostblock-Klischee, das sich auf Anhieb erfüllt: Verrauchte Lokale, Maggie Entenfellners Hunde, Frauen in “Sommerkleidung” trotz eisiger Temperaturen, die Architektur des Kommunismus gepaart mit der sozialen Härte des neuen Systems.

Unser Hotel (Anel) ist ein morbider, aber dennoch empfehlenswerter Stützpunkt für erste Erkundungen. Nach drei Kirchen, einer Moschee, rund zehn österreichischen, demnächst wohl insolventen Banken ist der Rundgang aber auch schon wieder vorbei. Sofia hat bei Tageslicht wenig zu bieten.

Draußen kalt, gute Stimmung drinnen

Doch auch in Sofia gibt es Sehens- und Erlebenswertes. Selten habe ich an einem Wochenende durchgehend so gut (und preiswert) gegessen. Das Tempo in den Restaurants ist zwar gemächlich, das Essen schmeckt dennoch hervorragend. Die Brasserie serviert Steak, Tapas und kühle Drinks, in der Swinging Hall erleben wir anschließend Live-Musik vom Feinsten. Beim schüchternen Besuch im Striplokal trinke ich den teuersten Gin Tonic meines Lebens – auch eine Art Erlebnis.

Unsere östlichen Nachbarn haben also also viel zu bieten. Unser nächster Trip ist daher bereits in Planung.