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100 Tage selbständig

In den vergangenen Wochen höre ich immer wieder ein und dieselbe Frage: “Wie geht’s dir in der Selbständigkeit?” Die Frage klingt immer entweder etwas neidisch oder ziemlich besorgt. Es kommt ganz darauf an, ob jene fragen, die sich in ihrer Arbeitswelt gefangen fühlen, oder jene, die deren Sicherheit schätzen.

Kurzum: Mir geht’s sehr gut, ich bin weder verhungert noch blicke ich reumütig auf meine Entscheidung, zu gehen, zurück.

Meine Gesellschaft, die c99 Business Services GmbH, hatte inzwischen ihren ersten Geburtstag und kann sich über Bilanzgewinn und daher einen ordentlichen Zahlschein vom Finanzamt freuen. Mit sieben Kunden konnte ich sehr unterschiedlich gelagerte Projekte durchführen bzw. laufen einige davon ja noch. Und nein, mein ehemaliger Arbeitgeber ist keiner dieser sieben Kunden, womit ein oft vorgetragener “Vorwurf” entkräftet wäre.

Mit Exportanteil von knapp unter 30% wurde im ersten Jahr sogar etwas für die Exportwirtschaft getan, und ich kann behaupten, dass ich einen Arbeitsplatz geschaffen habe – vorerst nämlich meinen eigenen.

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Office – vor der Eröffnung. Inzwischen gibt es hier Boden, Leuchten und Arbeitstische.

Nach kurzer, aber schlimmer Zeit im home office wurde Anfang Juli in der Paulanergasse 8 das Büro bezogen. Zwischenzeitlich war ich auf einer Konferenz in Kanada, bei einem Workshop in Berlin, beratend in Hamburg und bald arbeite ich in Prag und Bratislava. Es ist also spannend!

Weniger Stress

Ich kann nicht behaupten, die Selbständigkeit wäre eine große Umstellung gewesen. Bereits an der WU durfte ich eigenverantwortlich handeln. Ich bin nun allerdings weniger interrupt driven, muss also weniger auf e-Mails und Telefonanrufe reagieren, als dass ich die Impulse selbst setze. Das führt dazu, dass auch mal einen Tag gar nichts passiert.

Und das führt zu merklich weniger Stress, auch wenn (oder eben weil?) die Arbeitszeiten nun noch unregelmäßiger als bisher sind. In Summe arbeite ich etwas weniger Stunden, aber in dieser Zeit deutlich intensiver. Mir unliebe Dinge musste ich bislang kaum machen.

Weniger Geld

Im früheren Arbeitsleben habe ich gut verdient. Insofern war das Thema Einkommen ein äußerst wichtiges Kriterium bei den Überlegungen zur Selbständigkeit.

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Die Rocket Giotto Evoluzione v2 – das teuerste Anlagevermögen im Unternehmen.

Vorsichtig kalkuliert muss ich nun 2000 EUR in der Woche Deckungsbeitrag erwirtschaften, um mein bisheriges Einkommen langfristig zu halten. Das bedeutet nicht, dass ich früher so gut verdient hätte. Ich muss nun aber für Büro, Hard- und Software, Infrastruktur, Sozialversicherung, Steuern und Abgaben, die Steuerberatung oder meinen Kaffeekonsum selbst aufkommen – und das auch wenn ich urlaube, in Schulungen sitze, krank bin oder bei Kunden Leerkilometer laufe.

Der Unterschied zwischen Umsatz und Netteinkommen ist somit frappierend – eine Tatsache, die Unselbständigen mit dem unsäglichen Dientsgeberbeitrag sehr gut versteckt wird.

Mehr Geld?

Eines ist schon jetzt klar: Mit dem bisherigen Geschäftsmodell – Individualberatung rund um das Thema Softwareentwicklungsprojekte – werde ich nicht reich. Irgendwo ist der erzielbare Stundensatz ausgereizt und den kann man nunmal nur mit einer gewissen Stundenanzahl multiplizieren ohne sich selbst zu zerstören. Skalieren würde das Vehikel mit dem Hinzufügen von Mitarbeitern, was angesichts der aktuellen Auftragslage in greifbarer Nähe ist. Schau’ ich mir allerdings das Thema Lohnnebenkosten und vor allem sonstige Anforderungen an einen Dienstgeber an – ich sitze derzeit etwa auf einer Baustelle, die ein Arbeitsinspektorat für meine Mitarbeiter nicht akzeptieren würde – dann ist das Risiko zu hoch.

Weniger Risiko (=Innovation)

Auch wenn junge Unternehmen oder – das leidige Thema! – Startups in aller Munde sind: Nicht alles ist Gold, was glänzt. In meiner alten Arbeitswelt saß ich mit hervorragenden Ressourcen ausgestattet in einer Position, die mir viel Raum zur Innovation ließ. (Die letzten drei Jahre dieses Blogs handeln letztlich davon.) Das bedeutete neben allen bürokratischen Mühen einen enormen Hebel, der nun fehlt. Mit dem Druck Umsatz zu machen, sind “Spielereien” derzeit ein Nischenthema. Das ist für den langfristigen Erfolg des Unternehmens wohl genau so schlecht, wie für den Spaß an der tagtäglichen Arbeit.

tldr;

Nach 100 Tagen Selbständigkeit sage ich: Der langfristige Spaß ist wichtiger, als ob man letzlich an die Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft sein Geld überweist, oder dies dem Dienstgeber überlässt. Für mich passt’s.

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Verabschiedet euch von euren IT-Abteilungen!

Ich sitze beim Offline-Breakfast[1] mit meinem Freund Andreas, und dieser meint, die IT-Leute werden immer mehr zu Hausmeistern und umgekehrt. Hintergrund ist die Konvergenz aller (Haus-)Technik hin zu IP-Netzwerken sowie die zunehmende Standardisierung von IT-Basisdiensleistungen.
Der ITler in mir verkrampft sich bei solchen Aussagen; vor allem auch deshalb, weil Andreas damit recht hat und somit einen wunden Punkt trifft. Allerdings gebe ich ihm nur zu 90% recht, und über die wichtigen 10% will ich hier nun bloggen:

Die IKT ist eine Geheimwissenschaft. In beinahe jedem Unternehmen zeigt sich dasselbe Bild: Die Techniker sitzen auf enormen Budgets, deren Verwendung nahezu immer intransparent ist. Fachabteilungen beschweren sich über Trägheit der IT, diese wiederum kontert mit Nicht-Machbarkeit, Ressourcenengpässen, Performanceproblemen oder Sicherheitsrisiken – nicht selten alles Probleme der selbst gewählten Systemlandschaften. (…)

Durch den hohen Erfolg der Automatisierung und den damit verbundenen raschen Aufstieg des IKT-Personals während der letzten zwanzig Jahre entscheiden heute nun die “Zangler” über Kernthemen des Unternehmens. (Zur Etymologie des “Zanglers”: Dieser arbeitet mit Werkzeug statt Hirn – also Zange – und steckt PC-Bauteile unterm Schreibtisch zusammen.) Die Situation ist wohl nicht gesund für ein Unternehmen, das vom Umsatz abzüglich der Kosten leben muss.

Der Aufbau eines typischen Unternehmens ist dabei wie folgt:

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IKT innerhalb einer typischen Unternehmensstruktur: Ein Bereich neben dem anderen.

Lösung: Outsourcing?

Viele Unternehmen reagieren auf die oben geschilderte Situation mit teils radikalem Outsourcing. In der Hoffnung, IKT-Kosten langfristig zu senken, werden Telefon, Server, Software & Co. an IT-Dienstleister weitergereicht. Die Hotline verschwindet so in Indien, die Softwareentwicklung in Osteuropa und die Anwendungen selbst in der nicht näher lokalisierbaren Cloud.

Den gesunkenen Betriebskosten steht nun aber gestiegener Management-Overhead gegenüber: Über die Grenze von Unternehmen, Zeitzonen, Sprachen und Kulturen lassen sich Projekte nunmal nicht so einfach durchführen. (Dass Outsourcing in der Softwareentwicklung selten klappt, ist im Plädoyer gegen Outsourcing schön auf den Punkt gebracht.)

Fazit bislang: Die Zangler haben die Macht im Unternehmen übernommen, und Outsourcing ist auch keine Lösung.

Lösung: In- und Outsourcing parallel

Ich erkenne in Unternehmen den zunehmenden Trend, gleichzeitiges In- und Outsourcing nicht als Widerspruch zu sehen. Dabei werden die Allerweltsprodukte, die commodities, ausgelagert und parallel dazu die (Weiter-)Entwicklung strategischer Kernanwendungen ins Unternehmen (zurück) geholt.

Konkret heißt das, dass der Betrieb von Servern oder die Wartung von Office-PCs günstiger von Externen gemacht werden. Anwendungen entlang der eigenen Wertschöpfungskette sollten aber im Haus wachsen. (Wäre ich etwa eine Bank, würde ich nie und nimmer mein Online-Banking aus der Hand geben – die Bankomaten kann aber jemand anders warten.)

Unternehmen sollten erkennen, dass zwischen dem I (Information) und dem KT (Kommunikationstechnologie) ein enormer Unterschied besteht.

Information ist eine einzigartige Ressource im Unternehmen. Anders als Rohstoffe ist sie beliebig speicherbar. Anders als Geld ist sie beliebig kopierbar und nicht zu lenken. Die Ressource Information, die ich meine, hat weniger mit Bits und Bytes, als mit den Menschen, die sie entdecken, anwenden und verteilen zu tun.

Information ist Schnittstellen-Thema ansich. Das war immer schon so, nur fällt es uns immer mehr auf. Heute baut man kein Produkt mehr und bietet keine Dienstleistung an, ohne zuvor hunderttausende Daten gesammelt und ausgewertet zu haben. Heute kann nur noch in den seltensten Fällen ein Einzelner etwas mit entscheidendem Mehrwert erschaffen und verkaufen. Produkte und Prozesse sind enorm komplex, die gegenseitigen Abhängigkeiten unüberblickbar.

Wir benötigen Information und keine Diskussionen über Windows-Updates, Speichervolumina oder Verkabelungen. Spiegelbildlich wäre das ja so, wie wenn sich Personalabteilungen über Bürosessel Gedanken machen würden, weil ja immerhin die Mitarbeiter darauf Platz nehmen.

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IKT wie sie sein sollte: 90% der Themen gehören ausgelagert, Information als strategische Ressource allerdings zur Chefsache erklärt.

Information ist Chefsache und fällt idealerweise auf strategischer Ebene mit der Geschäftsführung zusammen. Fragestellungen sind etwa: Wie funktioniert mein idealer Akquise-, Bestell-, Liefer- oder Reklamationsprozess? Auf operativer Ebene heißt es dann diese Idealbilder in konkrete Systeme zu gießen, Verantwortlichkeiten zu benennen, Schulungen durchzuführen, Erfolg zu messen und gegebenenfalls nachzubessern, notfalls sogar Software anzuschaffen. Was aber wohl öfter gebraucht wird: Eine IKT-Schlankheitskur, wo deinstalliert anstatt hinzugefügt wird.

Wer an diesem Punkt nun Sicherheit und Datenschutz einwerfen will: Das Argument mit den Datenschutzrisiken konsequent weitergedacht, müssten wir ja auch unsere eigenen Zahlungsverkehrssysteme, Internetprovider und Mobilfunker betreiben. Outsourcing bleibt das Um und Auf bei Basisinfrastruktur.

Softwareentwicklern mit Gespür für betriebliche Problemstellungen steht eine goldene Zukunft bevor. Codemonkeys und Zangler hingegen werden in den kommenden Jahren enormen Kostendruck zu spüren bekommen.

tldr;

Liebe Unternehmen: Schiebt eure Server zu Google, aber kümmert euch um euer Personal!

[1] Über das Format “Offline-Breakfast” sollte ich auch noch bloggen. Es geht jedenfalls darum, in ca. zwei Stunden ohne Ablenkung durch Smartphone & Co. über die Zukunft zu plaudern. Das Ganze findet früh morgens samt gutem Essen statt.

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IT Jobs 2014

Eines meiner Privilegien als FH-Lektor ist es, Studierende an (für mich) spannenden Themen arbeiten zu lassen. Danke also an Doris Schweng für Recherche und hervorragende Aufbereitung der Jobsituation in Österreich für IT-Kräfte. Hier also die wichtigsten Punkte:

Gehälter

System- und Netzwerkadministrator
                    von        bis (brutto)
Einstieg            1.940,00   2.250,00
6-8 Jahre Erfahrung 2.500,00   3.660,00

Datenbankadministrator
                    von        bis (brutto)
Einstieg            2.040,00   2.270,00
6-8 Jahre Erfahrung 3.000,00   4.100,00

SoftwareentwicklerIn
                    von        bis (brutto)
Einstieg            2.040,00   2.270,00
6-8 Jahre Erfahrung 3.100,00   4.275,00

IT LeiterIn
                    von        bis (brutto)
Einstieg            2.880,00   3.000,00
6-8 Jahre Erfahrung 4.640,00   6.960,00

Daten stammen von AMS und Metajob. Zu meiner großen Verwunderung empfindet meine FH-Gruppe die (rechten!) Gehälter als eher niedrig.

Was sind die Trends?

Gefragt

  • UX Skills (Produktentwickler)
  • Cloud expertise
  • IT security
  • Big data analysis

Weniger gefragt

  • UI Design (Grafikdesign ist inzwischen zu wenig)
  • SAP & Oracle (zunehmendes Outsourcing)
  • iOS native (siehe: Schluss mit den Apps!)

Programmiersprachen

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Das Portal metajob.at bietet hervorragende Einblicke in den Jobmarkt für IT-Kräfte.
  • HTML5/JavaScript
  • Java
  • Python
  • Scala
  • Ruby

Achtung: Die Daten stammen von TechRepublic, und ich vermute, dass die Situation hier in Europa etwas traditioneller aussieht. Folglich weniger “heißer Scheiß” und mehr C#, Java und SAP gefragt.

War for talents

“Es gibt keinen gut ausgebildeten IT-Spezialisten, der arbeitslos und auf Jobsuche ist.”

Es herrscht enormer Fachkräftemangel. Suche erfolgt zunehmend über Headhunter.

tldr;

Wer noch nicht programmieren kann, sollte sich spätestens jetzt das Python Tutorial anschauen. Wer bereits in der Softwareentwicklung tätig ist: Gratulation, wir sind Teil einer privilegierten Gruppe, die Spaß am Job hat und dabei sehr gut bezahlt wird. Sollten Spaß und/oder Bezahlung aktuell nicht passen, dann ist es wohl Zeit zu wechseln.

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Selbständig neue Wege gehen

Nach spannenden Jahren an der WU ist es für mich an der Zeit, einen neuen Weg zu beschreiten.

Und da ich wohl kaum einen abwechslungsreicheren Job als meinen bisherigen finden werde, führt der Weg in die Selbständigkeit.

Die Firma ist gegründet, sie heißt c99 und wohnt (noch) daheim im Bügelzimmer, die ersten Umsätze sind getan, und – am Wichtigsten – es macht wirklich Spaß!

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Visitenkarten druckfrisch in den Händen meiner Grafikerin.

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Business und IT sind unglaublich komplex – oder schlimmer noch – kompliziert. Ein zentrales Thema meiner bisherigen Arbeit war der langfristige Umgang mit betrieblicher Komplexität. Dazu zählen unklare Anforderungen genauso wie häufige Änderungen, Zeitdruck, Ressourcenmangel oder externe Gesetzgebung.

Ich habe an der WU vermutlich um die zwei Millionen Zeilen Code geschrieben und dabei wohl jeden Fehler begangen, aber – anders als externe Berater – diese auch selbst ausbaden müssen. Ich habe mich in unzähligen Umgebungen (Webanwendungen, Data Warehouse, Zutrittskontrollsysteme, Smartcards, SAP FI/CO und HCM, Kiosk Terminals) und Programmiersprachen (Python, JavaScript, Perl, PL/SQL, C, ABAP, Java, PHP) ausgetobt.  Ich habe viel gelernt und habe nun ebenso viele Ideen.

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“Wie gründe ich eine GmbH?”, angewandte Komplexitätsreduktion: Mein Weg zur eigenen Firma.

Ich werde mich dem Thema Komplexität widmen – sei es als Berater, Entwickler oder in einer gänzlich anderen Rolle. Die Nachfrage danach ist jedenfalls enorm.

What’s in a name, what’s in a logo?

Abschließend nun ein wenig Namens- und Logo-FengShui, weil ich sehr oft gefragt wurde, was denn c99 zu bedeuten hätte.

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Logo und Subline der c99 Business Services GmbH.

Das c steht für 100 Begriffe wie createconsult, code, communicatecompete oder cooperate – jedenfalls nicht für complicate. Den guten 99 will ich mich widmen, complicate gilt es zu verhindern. Außerdem sind die 99 eben nicht 100 – für manche hat das den Touch von unfertig, für mich von Effizienz und Pragmatismus. Aber wer beim nächsten Waschmitteleinkauf 10,99 zahlt und dabei an c99 denkt – auch ok.

Das Logo wiederum spielt mit einer Referenz zur Chemie: Unsere physische Welt besteht aus lediglich knapp über hundert Elementen. Die unglaubliche Vielfalt wird erst durch Kombinationen dieser wenigen Einzelteile erreicht. Modularität spielt jedenfalls auch in der IT eine herausragende Rolle. Die stilisierten Atombrücken – in der IT würde man sie Interfaces nennen – stellen diese Kombinationsmöglichkeiten dar.

Und ganz nebenbei: Das kleine c ist der 99. Buchstabe im Unicode.

tltr;

Mathias ist jetzt selbständig. Abseits des esoterischen Namens und Logos bestehen inzwischen echte Umsätze.

Webseite der c99 Business Services GmbH