Mehr als nur Schuhe, oder: Ich bin sentimental

Nach 12 Jahren und ungezählten Höhenmetern haben meine Bock gerade die brettlebene Asphaltstraße am Stadtwanderweg III nicht überlebt. Zeit für ein pedales Requiem:

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Nach 12 Jahren lösen sich gleichzeitig beide Sohlen ab. Man könnte ja beinahe geplante Obsoleszenz vermuten; zufrieden wie ich aber war, werd’ ich mir aber wieder Schuhe von Meindl holen.

2005 erstanden, hab’ ich mit ihnen im vergangenen Dutzend an Jahren viele Spaziergänge, Gatschtouren, Zustiege zu Kletterrouten, Bergbesteigungen und Pferderitte unternommen.

Auf sechs von sieben Kontinenten dieser Erde hab’ ich sie getragen; meist auch schon auf den Flügen dorthin weil sie nicht ins Gepäck passen wollten.

Ich stand mit ihnen auf vielen Gipfeln, unter anderem am jeweils höchsten Berg Wiens, Litauens, Südostasiens und Afrikas – allein diese Kombination an Gipfelsiegen verdeutlicht die abwechslungsreiche Geschichte.

In der Wüste Namibias haben mich die Schuhe vor Schlangenbissen ebenso geschützt, wie vor der schwefelhaltigen Ursuppe auf White Island oder auch vor fallendem Werkzeug beim Umbau unserer Wohnung.

 Gemeinsam sind wir auf Pferden geritten gesessen, zum Beispiel auf Touren im Monument Valley, dem schönen Mostviertel, im verrgeneten Irland oder in einem atemberaubenden Gletschertal irgendwo auf der Südinsel Neuseelands.

Seit Tagen liegen die Schuhe nun vor meiner Tür, und ich schaffe es nicht, sie da unten in den Müll zu werfen. Ein Schuh ist wohl mehr Ich, als jedes andere Kleidungsstück. Und was mich wirklich quält, sind weniger die Erinnerungen, die ja bleiben. Vielmehr ist es die Frage, was das nächste Paar denn bringen wird. Weitere Rekorde an Gipfeln und Reisezielen? Was wird wohl aus mir selbst geworden sein nach dem nächsten Dutzend an Jahren?

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