Google zerschlagen?

Seit vergangener Woche wird auf europäischer Ebene heiß über die Zerschlagung von Google diskutiert – und diese politische Initiative ist bereits ziemlich erfolgreich: Die Welt, 28.11.2014

Als Fanboy von Google habe ich damit ein großes Problem.

Was nämlich zunächst nirgendwo in den Anträgen und Berichten auftaucht ist, dass die – vorwiegend deutsche – Initiative großteils von Medienhäusern getragen wird, die ihre traditionellen Geschäftsmodelle gefährdet sehen. Und da kann man schon mal den Datenschutz oder freien Markt missbrauchen, um einen innovativen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.

Mir tut Google nicht leid, und ich fände es für den Werbemarkt auch besser, wenn wir konkurrierende Suchmaschinen hätten. Aber eine Lex Google aus den falschen Motiven hat nunmal nichts mit Demokratie zu tun.

Google, der Weltkonzern

Trotz aller medialer Präsenz – gemessen am Umsatz hat Google die Größe der OMV. So sehr der Technologiekonzern auch Treiber von Innovation und Wachstum sein mag, ein global unbedeutender Energiekonzern aus Österreich macht mit wenig Millionen Kunden dasselbe Geld.

Google, die Datenkrake

Was Googles Suchmaschine über mich zu wissen glaubt, lässt sich in den Anzeigeeinstellungen nachsehen. Laut Google bin ich zwischen 45 und 54 Jahren alt. Meine angeblichen Interessen reichen von Bankwesen, Online-Video (ok, das stimmt), über Essen und Trinken sowie Bücher und Literatur (bei wem wohl nicht?) zu Rap, Hip-Hop und Ego-Shootern (äh, nein!). Solange mein Werbeprofil derart “treffsicher” ist, fürchte ich mich nicht vor der kalifornischen Datenkrake.

dsd
Meine Interessen laut Google. Vor dieser “Allmacht” habe ich keine Angst.

Interessanter als mein Werbe- bzw. Interessensprofil sind die privaten Inhalte in Gmail oder Drive. Unangefochten an der Spitze der Bedenklichkeit steht wohl die Location History, die ich aber auch freiwillig verwende.

Wo war ich punktgenau am 28.11.2014?
Wo war ich punktgenau am 28.11.2014?

Und genau diese Freiwilligkeit ist es, die Google mir stets zulässt (und die ich anderswo sehr wohl vermisse). Niemand zwingt mich, Google Produkte zu verwenden. Selbst deren Betriebssystem Android ist derart offen, dass ich innerhalb des Ökosystems genügend Alternativen zum Suchen, Browsen und Mailen vorfinde.

Google, der Monopolist

Ich kann problemlos Chrome gegen Firefox und die Suche gegen Bing oder DuckDuckGo tauschen. Ich wurde seitens Google noch nie in eine Ecke gedrängt. Ganz anders ist da beim mir verhassten Microsoft Office oder iOS – entweder man ist dabei oder eben nicht. Apple geht ja sogar so weit, die Hardware auch noch vorzuschreiben.

Aber damit haben letzlich deutsche Verlage kein Problem, sondern die würden sich ja sogar wünschen, das Apple der Welt das Kopieren digitaler Inhalte gegen eine Gebühr von 30% verunmöglicht.

Google, die Erfolgsmaschine

Google setzt den Großteil der hauseigenen Projekte ziemlich in den Sand – eine Nebenwirkung der für mich unvorstellbaren Innovationskraft des Konzerns. Oder erinnert sich noch jemand an knowl, answers, wave, usw? Das Asset von Google ist letztlich eine unerreichbar gute Suche. So unrreichbar gut, dass Microsoft noch so viel Geld in Bing stecken konnte, ohne dass es auch nur annähernd an die Qualität herankommt. Eigenartig, geht es letztlich doch “nur” um Mathematik, was ansich zu kopieren sein sollte.

Abfallprodukt der gescheiterten Projekte sind unzählige OpenSource-Projekte, -Libraries/-Frameworks, die im Google-Umfeld wachsen und finanziell unterstützt werden.

Als Unternehmer verdiene ich damit über Umwege gutes Geld und zahle meine Steuern. So funktionieren Innovation und Wachstum.

Mein Deal mit Google

Der Deal mit Google ist mir letztlich klar: Auf Basis eines Werbeprofils verdient Google gutes Geld, ich nutze dafür frei von Kosten oder Verpflichtungen Services, für die traditionelle Unternehmen tausende Euro pro Mitarbeiter und Jahr hinlegen. Und zusätzlich fällt aus der Google-Maschinerie das ein oder andere Projekt heraus, das ich ohne Lizenzzahlung zu Geld mache.

IT und Europa

Als Europäisches Parlament würde ich mir vielmehr die Frage stellen, warum es in Europa de facto keine IT-Konzerne (mehr) gibt. Vielleicht liegt es ja an der Rechtslage zum Thema Datenschutz (in Österreich krankhaft in Kombination zum Amtsgeheimnis), an Bürokratie und Steuern?

tldr;

Das Europäische Parlament will auf Druck von Verlagshäusern Google zerschlagen. Ich “freue” mich schon jetzt auf den damit verbundenen Wegfall der Gratisangebote wie Mail oder Drive. Andere IT-Konzerne sollten der EU vielmehr Dorn im Auge sein, aber die kooperieren letztlich mit den Inhabern geistigen Eigentums.

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