Von Software-Qualität und Eisbergen

In Kürze gehen zwei unserer Anwendungen in Testbetrieb (gebloggt und nochmal gebloggt). Nach wochenlanger Entwicklungsarbeit naht nun der Moment, den ich so hasse: der Moment des ersten, überhasteten Feedbacks.

Ich will diesen Moment als Eisberg-Moment bezeichnen. Er findet da statt, wo Endbenutzer oder Auftraggeber erste Rückmeldungen zum Softwareprodukt liefern. Rückmeldungen, die lediglich die sichtbaren Merkmale der Software betreffen und somit den Großteil der Anstrengungen außer Acht lassen.

Auch wenn Usability-Leute behaupten, the interface is the product, dann ist das nur die halbe Wahrheit. Insbesondere über einen Bewertungszeitraum, der länger als fünf Minuten – in unserem konkreten Fall hoffentlich mehr als fünf Jahre – dauert, spielen ganz andere Faktoren die Hauptrolle:

  • Investitions- und Wartungskosten; die IT ist schließlich ohnehin personalintensiv.
  • Wartbarkeit
  • Security
  • Verfügbarkeit
  • Konsistenz/Integrität
  • usw. (…) Nur eben nicht Logos, Schriftarten und oder Ränder drumherum.

Kurzum, mein Kollege Dennis und ich haben den Eisberg auf einem Whiteboard verewigt. Unter der Oberfläche liegen die unbeachteten Merkmale von Software-Qualität. Auf der x-Achse haben wir die investierte Arbeitszeit aufgetragen; auf der y-Achse (zugegeben etwas sarkastisch) das Geld, das man mit den jeweiligen Services verdienen kann.

Qualitätsmerkmale von Software(-projekten) und was davon für Außenstehende sichtbar ist. Der "Eisberg-Moment", ein künftiger Management-Klassiker.

Der Eisberg-Moment ist übrigens das Gegenteil des black triangle moments.

Edit 1: Ich bin übrigens der Meinung, dass Feedback wichtig ist. Es sind nur diese ersten Rückmeldungen, die mich immer und immer wieder an den Rand der Verzweiflung treiben…

Edit 2: Passend zum Thema, dass Feedback qualitativ sehr unterschiedlich sein kann: TornadoGuard bei xkcd.

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