Hacking Vienna, oder wie man Wien autofeindlicher macht

Eine Woche zurück aus Amsterdam – ich bin nach wie vor von der Lebensqualität dieser Stadt begeistert! Einer Lebensqualität, die in unmittelbarem Zusammenhang zum geringen Autoverkehr steht. Die Leute radeln zur Arbeit, erledigen ihre Einkäufe zu Fuß, an gemütlichen Straßenecken wird gesessen und geplaudert. Mein Lebensmittelpunkt hier in Wien entlang der U6 und damit dem Gürtel könnte kein krasserer Unterschied sein…

Während ich also im verkehrsbelasteten Wien Christoph Chorherrs Blog zu Mobilität und Bauen hoffnungsvoll verfolge, sehe ich zwei Grundannahmen grüner Verkehrspolitik etwas anders:

“Es soll mehr Möglichkeiten für Radfahrer geben.”

Zur ersten Forderung ist zu sagen, dass ich meinen Arbeitsweg mit dem CityBike gratis von Tür zu Tür erledigen könnte. Aber dennoch tue ich es nicht. Grund ist, dass ich mich in Wien als Radfahrer unsicher fühle. Ich steige erst um, wenn der Straßenverkehr nachgelassen hat. (Wohlgemerkt, mein Umstieg wird von der U-Bahn aufs Rad erfolgen.)

Der öffentliche Verkehr muss attraktiver werden.

Diese zweite Forderung ist schlicht nicht zu erfüllen. Ein Kantinenessen wird nie die Befriedigung eines Á la carte Menüs bringen. Um bei der kulinarischen Metapher zu bleiben, muss daher zumindest das zweite Menü teurer werden (Kostenwahrheit), oder aber könnte es empfindlich länger dauern, bis es serviert wird.

Kurzum: Wien muss daher aktiv autofeindlich und fußgängerfreundlich sein!

Ein kleiner Hack mit großer Wirkung (?)

Als Softwareentwickler liebe ich Lösungen, die günstig, effektiv und notfalls auch reversibel sind. Glücklicherweise gibt es auch im Verkehr immer mehr Software und damit Möglichkeiten, mit wenig Eingriffen sehr viel zu ändern.

Während also über aufwendige Änderungen der STVO, Radstraßen usw. diskutiert wird, wäre meine erste Lösung ein Softwareupdate in der Verkehrsregelung. Sobald ein Fußgänger elektronisch erkannt wird (Kameras, Druckknopf) sollte jede Fußgängerampel ohne Rücksicht auf Wartezeiten der Autofahrer auf grün schalten.

Die Lösung, wenn auch nur ein kleiner Schritt, wäre wohl sehr schnell zu implementieren. Und wenn es dann eines Tages die Autofahrer in die öffentlichen Verkehrsmittel treibt, dann kann ich endlich den Gürtel entlang radeln. (Würden mich nicht andauernd diese querenden Fußgänger stören…)

4 Comments

  • April 29, 2011 - 2011-04-29 9:55:31 | Permalink

    Bei vielen Zebrastreifen sind gelbe Boxen für Menschen mit Gehbehinderung oder Sehschwäche angebracht. Auf der Unterseite (nicht einsehbar) ist ein Button, der löst zwar nicht unmittelbar “rot” für Autofahrer aus, aber zumindest relativ zuverlässlich. Die Zeitkonstante zwischen Knopfdruck und rot-für-Autos zu ändern wäre einen Hack wert 😉

  • May 3, 2011 - 2011-05-03 6:14:19 | Permalink

    Interessanter Artikel. Würde gern mehr Artikel zu der Thematik sehen.

  • May 8, 2011 - 2011-05-08 8:47:38 | Permalink

    Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben.

  • May 8, 2011 - 2011-05-08 8:53:58 | Permalink

    Die Fussgaenger sind die schlimmsten =)

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