IT architecture

Rethink reuse

Although I cannot share details of my current work except of fancy presentations there’s one general topic that keeps haunting me in a lot of discussions: The question of reusing code and components across platforms, target audiences, use cases, etc.

At first glance it looks like a brilliant idea: You build something once and use it several times for various use cases. Technicians love such a concepts because they’re motivated by complex problems; business people of course are fond of possible cost-reduction; IT architects love to draw boxes with arrows around them and usually feel big pain when comparable boxes appear twice in their diagrams.

The problem: Good ideas do not always work out. And what annoys me the most is the fact that software reuse seems to be an unchallenged goal, a mantra nobody dares to question. A lot of the obvious side-effects are rarely considered when going for reuse, such as:

  • growing complexity by serving additional requirements. This complexity exists in many areas, e.g. coding, testing, decision-making, etc.
  • operational issues by serving multiple target groups/stakeholders, e.g. when can you do a maintenance window?
  • losing advantages you’d have from very focused implementations, e.g. performance, optimized UX, etc.

The Space Shuttle: a terrible example of reuse

Let’s look at an example outside of my world of IT: The Space Shuttle – or better called the Space Transportation System (STS) – is an almost perfect case study where cost reduction and related benefits where promised from reusing components.

Just by looking at the picture below you can actually see (or at least imagine) all the parts which were only needed to fulfill reuse: wings with their heat shield, a tail, landing gear including unnecessarily heavy tyres, a fully functional cockpit for landing, solid liquid boosters (two rockets on the side) which fell down back into the ocean, etc.

As it turned out the Space Shuttle was limited in capacity, only reached low orbits, was more expensive and eventually killed more people than any other comparable space launch system. (A nice read on forbes.com)

Space Shuttle Launch
One of the most impressive vehicles ever built – and a total fail: The Space Transportation System.

Not being an expert on space travel let’s get back to IT. The example above just shows that there was tremendous overhead just to satisfy the requirement of reuse. As an architect I will in the future try to think twice and try to locate the space shuttle projects amongst my tasks. Reusing stuff is really cool, but only as long as it makes sense.

IT explained

Mathias at openslava

Nach inzwischen mehr als zwei Jahren in sehr unterschiedlichen Rollen für George, fragen mich Freunde und frühere Weggefährten oft, was ich in der Bank denn so tue. Vielleicht erklärt’s ja mein Talk bei der openslava 2016😉

politisches

Die Menschheit kennenlernen; ein dringender Buchtipp

Wieder einmal sitze ich am Ende einer Reise in einer schicken Lounge, und wieder einmal ist es ein beeindruckendes Buch, das mich begleitet hat. Wieder einmal will ich davon bloggen.

Die kurze Geschichte der Menschheit von Yuval Noah Harari ist ein Geschichtsbuch wie kein anderes:

Harari zieht dabei Querverbindungen zwischen den großen Reichen Asiens, dem arabischen Raum, den Kulturen Mittelamerikas und unserer europäischen Sichtweise. Er erkennt Gesetzmäßigkeiten und beschreibt Muster dort, wo für unsereins Geschichte bislang lediglich eine Aneinanderreihung zufälliger Ereignisse war. Er widerlegt klar die Annahme, Geschichte folge einem höheren Sinn oder gar dem Willen eines Gottes. Religionen werden ebenso als irrationale, rein inter-subjektiv existierende Fantasieprodukte entlarvt, wie unser Glaube an Nationen, Geld oder allgemein gültiges Recht.

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Buchtipp, BUCHTIPP!!!

Er erschüttert romantische Vorstellungen, etwa dass Naturvölker jemals naturverbunden waren, oder dass wir überhaupt so etwas wie eine natürliche Lebensweise besäßen. Der Homo Sapiens ist eben jenes Tier, das seine gesamte Lebensweise abseits einer instinktgetriebenen Biologie zu vollführen vermag. Diese Erkenntnis ist erschreckend und befreiend zugleich, denn sie besagt, dass all unser (Zusammen-)leben rein ausschließlich auf Konvention beruht.

Harari vereint Biologie, Ökonomie, Sprach- und Religionswissenschaften zu einem Sinn-machenden Ganzen und erschafft damit einen so unglaublich umfassenden Bild menschlicher Geschichte. Eine Geschichte, die nicht am Ende ist.

Oder war dem Leser dieser Zeilen bislang klar, dass in der Steinzeit hauptsächlich Holz und Leder verarbeitet wurden, Indianer keine Pferde besaßen, das Halten landwirtschaftlicher Nutztiere am meisten den Menschen selbst domestizierte, politischer Einfluss heutiger Konzerne gegen jenen der holländischen oder britischen Ostindien Kompanien alt aussieht?

travel

Mehr als nur Schuhe, oder: Ich bin sentimental

Nach 12 Jahren und ungezählten Höhenmetern haben meine Bock gerade die brettlebene Asphaltstraße am Stadtwanderweg III nicht überlebt. Zeit für ein pedales Requiem:

bla
Nach 12 Jahren lösen sich gleichzeitig beide Sohlen ab. Man könnte ja beinahe geplante Obsoleszenz vermuten; zufrieden wie ich aber war, werd’ ich mir aber wieder Schuhe von Meindl holen.

2005 erstanden, hab’ ich mit ihnen im vergangenen Dutzend an Jahren viele Spaziergänge, Gatschtouren, Zustiege zu Kletterrouten, Bergbesteigungen und Pferderitte unternommen.

Auf sechs von sieben Kontinenten dieser Erde hab’ ich sie getragen; meist auch schon auf den Flügen dorthin weil sie nicht ins Gepäck passen wollten.

Ich stand mit ihnen auf vielen Gipfeln, unter anderem am jeweils höchsten Berg Wiens, Litauens, Südostasiens und Afrikas – allein diese Kombination an Gipfelsiegen verdeutlicht die abwechslungsreiche Geschichte.

In der Wüste Namibias haben mich die Schuhe vor Schlangenbissen ebenso geschützt, wie vor der schwefelhaltigen Ursuppe auf White Island oder auch vor fallendem Werkzeug beim Umbau unserer Wohnung.

 Gemeinsam sind wir auf Pferden geritten gesessen, zum Beispiel auf Touren im Monument Valley, dem schönen Mostviertel, im verrgeneten Irland oder in einem atemberaubenden Gletschertal irgendwo auf der Südinsel Neuseelands.

Seit Tagen liegen die Schuhe nun vor meiner Tür, und ich schaffe es nicht, sie da unten in den Müll zu werfen. Ein Schuh ist wohl mehr Ich, als jedes andere Kleidungsstück. Und was mich wirklich quält, sind weniger die Erinnerungen, die ja bleiben. Vielmehr ist es die Frage, was das nächste Paar denn bringen wird. Weitere Rekorde an Gipfeln und Reisezielen? Was wird wohl aus mir selbst geworden sein nach dem nächsten Dutzend an Jahren?

meta

Ich bin wieder da

Ich habe an dieser Stelle meine Väterkarenz angekündigt, nun will ich sie mit meinen lessons learned auch offiziell abkündigen.

Fünf Monate war ich nun mit meinem Kleinen zu Hause und habe mir im Zuge dessen eine nette Rückerstattung meiner Sozialversicherungsbeiträge gegönnt. Das Projekt einer fünfmonatigen Auszeit verlief allerdings doch ziemlich anders, als zunächst erwartet.

Zeit also für einen Rückblick:

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Philips erster Staatsfeiertag: Air Force One besucht Black Hawk

Fünf Monate Urlaub – cool!

Die Sozialversicherung zahlt – zwar in eigenartigen Intervallen aber dennoch – fürstliche 2000 Euro monatlich fürs Nixtun. Mit diesen 66 Euro pro Tag sollte man problemlos über die Runden kommen, vor allem, wenn man einen weiten Bogen um Bio-Babynahrung oder antiallergene Kinderkosmetik macht.

Mit der Einstellung, dass ich als Kleinkind Anfang der 80er die damalige “gute alte Zeit” überlebt habe, kann man dies auch getrost tun.

Mit Ignoranz lässt sich’s sehr entspannt ein Kind groß ziehen.

Schließlich bin auch ich groß geworden, in einer Welt mit Passivrauchen, deutlich höherer elektromagnetischer Strahlung und einer tatsächlichen Reaktorkatastrophe nebenan.

Philip lebt in einer tollen Welt, sogar ohne Lactose- und glutenfreier Kinderspeisen, Baby-Mineralwasser, feministischer Kinderliteratur oder Kleidung aus bio und fairtrade Produktion. All das habe ich in diesen fünf Monaten mit Staunen erlebt und erfolgreich ignoriert.

tiergarte
Immer ein Tipp: Tiergarten Schönbrunn unter der Woche vormittags

Das Unvergessliche

Ich war dabei, als du deine ersten Wörter sprachst
Ich war dabei, als du laufen lerntest

Ich habe deine Mutter in dir erkannt
Und ich habe mich selbst in dir gesehen

Aus einem hilflosen Neugeborenen
ist ein kleiner Mann geworden

Ich habe dir meine Zeit gegeben
Du gibst ihr einen Sinn

Die Schattenseiten

Aus meiner geringfügigen Nebenbei-Tätigkeit wurde oft wieder ein Ganztagesjob. Karenziert zu sein – und das bedeutet volle Aufmerksamkeit für ein Kind und dessen Tagsablauf – und dennoch beruflich am Ball bleiben zu wollen, geht sich einfach nicht aus.

Funktioniert hat’s teilweise. Aber immer mit gehörig viel Stress.

An “echten” beruflichen Themen zu arbeiten ist tausendfach spannender, als sich um die scheinbar irrelevanten Probleme eines Kleinkindes zu kümmern.

Man hat letztlich also die Wahl zwischen Langeweile (nur Kind) und stressiger Langeweile (Kind und der Glaube, nebenbei produktiv sein zu können).

plan b
… und Plan B bei Schlechtwetter: das Haus des Meeres

Die Erkenntnisse

In der Zeit bin ich mit dem Kinderwagen rund 500 km durch Wien gefahren, davon rund 250 km allein die Mahü entlang.

Barrierefreiheit ist ein Thema, das ich nun in anderem Licht sehe. Mit Kinderwagen und Taschen – das Kind schlimmstenfalls am Arm statt in der beabsichtigten Sitzposition – macht’s einfach keinen Spaß, Treppen oder aber auch nur kleinere Hindernisse überwinden zu müssen. Und ja, liebe Leute mit gesunden Beinen, die ihr euch in meinen Lift in der U-Bahn drängt: Ich hasse euch, ehrlich!

immer gut aufepüasst
Während meiner Karenz hab’ ich immer gut auf ihn aufgepasst

Die Enttäuschung

Als große Enttäuschung des Projekts muss ich (Solo-)Mütter mit Kindern verbuchen.

Hier gingen meine freudigen Erwartungen kilometerweit an der trüben Realität vorbei. Ob im Kaffee, Museum, Park, in Geschäften oder sonstwo: Gesprächsthema war ausschließlich der Tagsablauf des jeweiligen Nachwuchs’. Während ich mich auf Parkbänken umzingelt von einsamen, an meiner Lebensgeschichte interessierten Frauen sah, so lief das in echt bis zum Verlust der Persönlichkeit: Aus Mathias wurde “Papa vom Philip”, aus gemeinsamen Cappuccino wurde “kurz das Flascherl halten”.

Dem Vernehmen nach soll die Situation am Land entschieden besser aussehen. Wenn Philip nur lieber Auto gefahren wäre, hätte ich meine Karenz wohl besser in Hainburg oder gar St. Pölten verbracht. In Wien 6 & 7 ist die Männerkarenz leider nix Besonderes. (Die hier endemische Frauenwelt hätte ich wohl besser mit dem Lactose-Gluten-Weltrettungs-Zeug beeindruckt; vielleicht ist ja das der Grund, warum Männer da mitmachen.)

woh erzogen
… und ihn wohl erzogen

Der Ausblick

Was nun kommt, ist womöglich zeit- und arbeitsintensiver, als das, was ich nun mit Freizeit und staatlicher Unterstützung erlebt habe. Ab März besucht Philip den Kindergarten, gleichzeitig arbeiten Isabella und ich wieder Vollzeit. Wie sich das alles ausgehen soll, bleibt mir ein Rätsel, das wir wohl oder übel auflösen werden müssen.

tldr;

Ich habe einen wunderschönen Film gesehen, den man nie mehr wiederholen kann. Ich glaube, ein guter Elterteil zu sein, bedeutet einen Marathon über Jahre zu laufen. Der Start ist gut absolviert und jetzt heißt’s Kilometer für Kilometer konsequent zu sein und nie die Kraft zu verlieren. Meine Karenz gab’s auch auf Instagram

meta

Ich bin da mal weg

Unser kleiner Philip geht mit schnellen – wörtlich! – Schritten auf seinen ersten Geburtstag zu. Mitte des Jahres sind wir umgezogen, das Umbauprojekt bis dorthin war auch nicht ohne Mühen. Meine Firma ist inzwischen im dritten Geschäftsjahr und auch da geht’s rund. Kurzum, im vergangenen Jahr gab es kaum Zeit zum Luftholen.

Doch ein großes Experiment steht nun bevor: Väterkarenz, oder in meinem Fall einfach nicht arbeiten und fünf Monate lang Kinderbetreuungsgeld kassieren. Sofern sich meine Sozialversicherungsanstalt doch noch über die bislang schriftlich angekündigten 33 EUR Tagsatz hinaus bewegt, wird das sogar ein ganz lukratives Geschäft.

Abseits der Finanzen steht aber eine ganz andere Frage im Vordergrund: Was tut man eigentlich fünf Monate mit sich selbst?

Denn ein wenig den Nachwuchs an- und auszuziehen, wickeln, singen und spielen kann einen wie mich doch keinesfalls auslasten! Und dass die Frau Mutter da seit einem Dreivierteljahr anderes berichtet, ist ja ohnehin das übliche, weibliche Lamentieren. Pah!

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Fünf Monate hauptverantwortlich für meinen Sohn – verhungern soll er jedenfalls nicht.

Ab 1. Oktober stehen am veranschlagten Tagesprogramm nun Wandern mit Sohn und jedenfalls ganz viel mehr Sport ohne ihn. Wieder mal etwas Programmieren muss ebenso drin sein wie das Treffen viel zu selten gesehener Freunde. Der Bücherstapel für ruhige Momente – wenn er schläft oder sich mal eine Stunde selbst beschäftigt – ist über einen Meter hoch.

Nebenbei muss die Firma weiterlaufen, weil ich natürlich mit unglaublich viel Herzblut in laufenden Projekten drin stecke, und mit meinem Freund Wolfgang Haselmaier hab’ ich ohnehin ein ganz besonderes Vorhaben in der Pipeline.

Eine Affäre mit einer gelangweilten Mutter, die mir Philip im MQ aufgabelt, steht überdies am Geheimprogramm, aber das schreib’ ich natürlich nicht in meinen Blog. Meine Isabella werde ich jedenfalls mit gut geführtem Haushalt und selbst gekochten Köstlichkeiten bei Laune halten, die paar Minuten täglich dafür werden sich schon ausgehen.

Und während ich das hier so schreibe, fällt mir mein Lieblingszitat des großartigen John Lennon ein.

life is what happens to you while you’re busy making other plans

John Lennon

(Ach ja, dessen komplettes musikalisches OEuvre sollte ich mir auch wieder mal in Ruhe anhören…)

IT explained

George bloggt

2012 habe ich an dieser Stelle über IT in Banken gebloggt. Dass ich zweieinhalb Jahre später selbst tief drinnen in der IT einer Bank arbeite, hätte ich damals nicht gedacht. 

Als Teil des Teams rund um George gibt’s nun einen Beitrag über Sicherheit und Datenschutz – ein wirklich spannendes IT-Thema im Kontext von Bankensoftware! Hier geht’s zu meinem Artikel im George Blog.

Und die Tatsache, dass es besser geschrieben ist, als die Texte hier in meinem Blog, liegt an meinem Ghostwriter Dag;-)

politisches

Von Kaffee und den großen Zusammenhängen

In unserer Maschinenfabrik – wie in allen anderen Fabriken ebenso – wird viel Kaffee getrunken. Besonders dann, wenn lang gearbeitet werden muss, weswegen das Kaffeetrinken auch im Interesse des Managements steht.

Uneinigkeit herrscht jedoch bis heute, ob allein der Kaffeekonsum bereits zu größeren Arbeitsleistungen führt, oder aber ob das Kaffetrinken eher die Folge erhöhter Arbeitsbelastung ist.

jh
Droge für die Wirtschaft: Kaffee

Die Kantinen

Wie auch immer, in den Fabriken gibt es jedenfalls mehrere Kantine in denen Kaffee verkauft wird. Die Kantinen werden von ihrer Rösterei beliefert.

Kantinen verkaufen in zwei Richtungen: Einerseits Kaffee an die Mitarbeiter, andererseits Kaffeemarken an das Management, damit dieses die Mitarbeiter bei Laune halten kann. Ist das Management wie so oft nicht bei Kasse, werden die Kaffeemarken gegen extrem lukrative Abnahmeverpflichtungen für noch mehr Kaffee in Zukunft getauscht.

Apropos Kaffee, wer gedacht hätte, in jeden Becher Kaffee kommen nur die feinsten Bohnen, der irrt gewaltig: Die Kantinen verdienen gutes Geld damit, frische Bohnen mit Kaffeesud zu vermengen – aber das ist lediglich ein unappetitliches Detail, das nichts weiter zur Geschichte beiträgt.

Die Chefetage

Das häufig wechselnde Management ist daran interessiert, möglichst viel zu produzieren. Andernfalls stehen die Mitarbeiter nämlich ziemlich sinnlos und bald ebenso ziemlich sauer herum. Aufgrund der langfristig eingegangenen Abnahmeverträge und den horrenden Schulden in Kaffeemarken gegenüber den Kantinen bleibt den Fabriken ohnehin immer weniger Spielraum. Bösartig könnte man behaupten, manche Klumpertfabrik existiere nur noch, um die Werkskantine am Laufen zu halten.

Es muss also auf Teufel komm raus produziert werden, um nicht gegen die Wand zu fahren:

Die einfachste Methode, den Output zu erhöhen war bislang, den Kaffeekonsum anzukurbeln. Dann muss man sich nämlich nicht mit der Verbesserung von Arbeitsabläufen, dem Schulen von Mitarbeitern oder dem Modernisieren von Maschinen herumschlagen.

Das Management bezahlt die Mitarbeiter mit Geld. Ist das Unternehmen mal nicht liquide, wird auch in Kaffeemarken bezahlt, was den Nebeneffekt haben soll, dass mit dem künftigen Konsum von Kaffee umso mehr produziert wird.

Das Gewerbeamt

In der Softwarefabrik passierte ein unangenehmer Zwischenfall: Einzelne Kaffemarken unterschiedlicher Kantinen wurden zu Gutscheinheften gebündelt und an Mitarbeiter oder andere Kantinen verkauft. Als sich herausstellte, dass die darin enthaltenen Marken wertlos waren, weil einige der ausstellenden Farbiken inzwischen geschlossen hatten, mussten auch die Kantinen schließen, die nun auf sinnlosen Marken saßen. Damit trocknete aber auch der Kaffeenachschub aus, und folglich wurden die Nachtschichten immer kürzer und die Produktivität der Fabriken immer geringer.

Seither ist das Gewerbeamt besonders aufmerksam und erlässt unaufhörlich neue Regelungen, um den Kaffeekonsum und das Ausstellen von Marken sicherer zu machen. Kantinen müssen genau Buch führen, wem sie Kaffee verkaufen, wer welche Marken führt und wem sie wiederum Kaffee schulden.

Die Rösterei

Die Rösterei beliefert die Maschinen-, aber auch Auto-, Sonnenbrillen-, Champagner- und die Schafkäsefabrik mit Bohnen. Nur die Kuckucksuhren- und Softwarefabrik haben ihre jeweils eigenen Röstereien anderdswo.

Das Geheimnis jeder Rösterei ist, dass sie auf einem unbegrenzten Vorrat an Bohnen sitzen. Wäre das nicht schon eigenartig genug, beschäftigen sie sich vor allem mit den Preisen von Kaffeemarken in den Betrieben. In den vergangenen Jahren wurde in den Fabriken nur noch immer gleich viel produziert, weswegen auch (oder eben weil?) die Nachfrage nach Kaffee stagnierte.

Die Mitarbeiter

Mitarbeiter sind dumme, in den Fabriken beschäftigte Kaffetrinker, die ab und zu befragt werden, wer von ihnen Teil des Managements werden soll. Eigenartigerweise dürfen sie nicht über die viel mächtigeren Röster abstimmen.

Mitarbeiter kaufen das, was in den Fabriken produziert wird. Manchmal scheitert es allerdings am Geld, was einen verhängnisvollen Teufelskreis auslösen kann: Kein Geld, kein Konsum, keine Jobs. Diesen Teufelskreis hat man vor hundert Jahren durchschaut und Parteien zu dessen Bekämpfung gegründet.

Die damals erstellten Rezepte greifen aber nicht mehr so gut. Nur eine Erklärung sind etwa die Postkoffeinisten, die gar nicht mehr an Kaffee interessiert zu sein scheinen. Auch ist die zunehmende Vernetzung mit anderen Fabriken ein Problem, weil Mitarbeiter zwar gern faul im eigenen Betrieb herumstehen, aber blöderweise der effizienten Smartphonefabrik aus Fernost ihre Produkte abkaufen.

Nach den oben geschilderten Vorfällen mit den wertlosen Gutscheinheften in der Softwarefabrik sind den Mitarbeitern die Kantinen ein Feindbild. Daher lieben sie es auch, wenn sich das Management um strenge Kontrollore beim Gewerbeamt kümmert, weil diese ja den Kantinen dann besonders auf die Finger schauen.

Blöd ist nur, dass das Managment die Kantinen wie einen Bissen Brot braucht. Denn mit Hilfe der Kantinen kann das Management Kaffee verschenken.

Die größte Kunst des Managements ist es letztlich, die von ihnen bitter benötigten Kantinen als Feindbild zu etablieren.

Die Kaffeeschwemme

 

Wie auch immer, der Becher Kaffee wurde in den vergangenen Jahren nicht mehr teurer, was Mitarbeiter freute, aber Alarmglocken beim Röster läuten ließ.

Die Rösterei hat sich folglich dazu entschlossen, Kantinen gratis mit Bohnen zu beliefern. Der Gedanke: Viel Bohnen führen zu viel Kaffee und das zu viel Output im Betrieb – und letztlich zu einem leichten Anziehen der Kaffeepreise.

Eigenartigerweise führte die Gratislieferung aber nicht dazu, dass mehr Kaffee getrunken wurde, und schon gar nicht zum eigentlichen Ziel erhöhter Produktivität. Die Kantinen sitzen nun haufenweise auf Bohnen und lagern diese aus Platznot beim Röster – und bezahlen dafür sogar noch.

Die Kantinen beklagen nämlich, dass sie trotz dieser einzigartig günstigen Belieferung durch den Röster vom Gewerbeamt malträtiert werden. Zu viele Vorschriften würden den Weg der Bohne zum Konsumenten behindern.

Die ganze Malaise zwingt den Chefröster, ehemals ein Mitarbeiter der Sonnenbrillenfabrik, zu einem höchst eigenartigen Schritt: Man schiebt noch mehr Bohnen in die Werkskantinen. Da man aber ohnehin bereits gratis beliefert, muss man sich mit einem Trick behelfen.

Man zwingt die Kantinen dazu, einen Teil der vom Management ausgestellten Abnahmeverträge und Kaffeemarken in den kommenden Monaten einzulösen. Das sollte den Kaffeekonsum um über 10% ansteigen lassen.

Bislang hat aber auch schon niemand den Kaffee getrunken, weil

  • im Betrieb immer weniger anstrengenden Nachtschichten stattfinden
  • viele Kantinen noch immer viel zu sehr mit dem Gutscheindebakel beschäftigt sind, das Management den Mietvertrag mit diesen Kantinen aber nicht beendet weil vordergründig Mitarbeiter sauer sein würden und langfristige Abnahmeverträge laufen aus denen das Management nicht herauskommt
  • Kantinen aufgrund strenger Regelungen an manche Mitarbeiter gar nicht erst verkaufen dürfen

Fraglich bleibt:

  1. Was ist diesmal anders? Warum soll das Werkel mit dem neuen Trick in Gang kommen wenn schon die Gratislieferung nichts bringt?
  2. Warum erkennt niemand den eigenartigen Widerspruch zwischen den Auflagen des Gewerbeamts und den Zielen des Rösters?
  3. Wie kann die Schafkäsefabrik durch mehr Kaffee gerettet werden, wenn ohnehin niemand mehr den Schafkäse isst?
  4. Wie kann das Management von Kantinen unabhängig bleiben, wenn es doch nur gewählt wird, wenn es Kaffee gegen Abnahmeverträge an die Mitarbeiter verschenkt?

tldr;

Das Kaffeeuniversum hat ein gehöriges Problem. Zum Glück wohnen wir nicht dort, sondern im schönen Europa.

politisches

Google zerschlagen?

Seit vergangener Woche wird auf europäischer Ebene heiß über die Zerschlagung von Google diskutiert – und diese politische Initiative ist bereits ziemlich erfolgreich: Die Welt, 28.11.2014

Als Fanboy von Google habe ich damit ein großes Problem.

Was nämlich zunächst nirgendwo in den Anträgen und Berichten auftaucht ist, dass die – vorwiegend deutsche – Initiative großteils von Medienhäusern getragen wird, die ihre traditionellen Geschäftsmodelle gefährdet sehen. Und da kann man schon mal den Datenschutz oder freien Markt missbrauchen, um einen innovativen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.

Mir tut Google nicht leid, und ich fände es für den Werbemarkt auch besser, wenn wir konkurrierende Suchmaschinen hätten. Aber eine Lex Google aus den falschen Motiven hat nunmal nichts mit Demokratie zu tun.

Google, der Weltkonzern

Trotz aller medialer Präsenz – gemessen am Umsatz hat Google die Größe der OMV. So sehr der Technologiekonzern auch Treiber von Innovation und Wachstum sein mag, ein global unbedeutender Energiekonzern aus Österreich macht mit wenig Millionen Kunden dasselbe Geld.

Google, die Datenkrake

Was Googles Suchmaschine über mich zu wissen glaubt, lässt sich in den Anzeigeeinstellungen nachsehen. Laut Google bin ich zwischen 45 und 54 Jahren alt. Meine angeblichen Interessen reichen von Bankwesen, Online-Video (ok, das stimmt), über Essen und Trinken sowie Bücher und Literatur (bei wem wohl nicht?) zu Rap, Hip-Hop und Ego-Shootern (äh, nein!). Solange mein Werbeprofil derart “treffsicher” ist, fürchte ich mich nicht vor der kalifornischen Datenkrake.

dsd
Meine Interessen laut Google. Vor dieser “Allmacht” habe ich keine Angst.

Interessanter als mein Werbe- bzw. Interessensprofil sind die privaten Inhalte in Gmail oder Drive. Unangefochten an der Spitze der Bedenklichkeit steht wohl die Location History, die ich aber auch freiwillig verwende.

Wo war ich punktgenau am 28.11.2014?
Wo war ich punktgenau am 28.11.2014?

Und genau diese Freiwilligkeit ist es, die Google mir stets zulässt (und die ich anderswo sehr wohl vermisse). Niemand zwingt mich, Google Produkte zu verwenden. Selbst deren Betriebssystem Android ist derart offen, dass ich innerhalb des Ökosystems genügend Alternativen zum Suchen, Browsen und Mailen vorfinde.

Google, der Monopolist

Ich kann problemlos Chrome gegen Firefox und die Suche gegen Bing oder DuckDuckGo tauschen. Ich wurde seitens Google noch nie in eine Ecke gedrängt. Ganz anders ist da beim mir verhassten Microsoft Office oder iOS – entweder man ist dabei oder eben nicht. Apple geht ja sogar so weit, die Hardware auch noch vorzuschreiben.

Aber damit haben letzlich deutsche Verlage kein Problem, sondern die würden sich ja sogar wünschen, das Apple der Welt das Kopieren digitaler Inhalte gegen eine Gebühr von 30% verunmöglicht.

Google, die Erfolgsmaschine

Google setzt den Großteil der hauseigenen Projekte ziemlich in den Sand – eine Nebenwirkung der für mich unvorstellbaren Innovationskraft des Konzerns. Oder erinnert sich noch jemand an knowl, answers, wave, usw? Das Asset von Google ist letztlich eine unerreichbar gute Suche. So unrreichbar gut, dass Microsoft noch so viel Geld in Bing stecken konnte, ohne dass es auch nur annähernd an die Qualität herankommt. Eigenartig, geht es letztlich doch “nur” um Mathematik, was ansich zu kopieren sein sollte.

Abfallprodukt der gescheiterten Projekte sind unzählige OpenSource-Projekte, -Libraries/-Frameworks, die im Google-Umfeld wachsen und finanziell unterstützt werden.

Als Unternehmer verdiene ich damit über Umwege gutes Geld und zahle meine Steuern. So funktionieren Innovation und Wachstum.

Mein Deal mit Google

Der Deal mit Google ist mir letztlich klar: Auf Basis eines Werbeprofils verdient Google gutes Geld, ich nutze dafür frei von Kosten oder Verpflichtungen Services, für die traditionelle Unternehmen tausende Euro pro Mitarbeiter und Jahr hinlegen. Und zusätzlich fällt aus der Google-Maschinerie das ein oder andere Projekt heraus, das ich ohne Lizenzzahlung zu Geld mache.

IT und Europa

Als Europäisches Parlament würde ich mir vielmehr die Frage stellen, warum es in Europa de facto keine IT-Konzerne (mehr) gibt. Vielleicht liegt es ja an der Rechtslage zum Thema Datenschutz (in Österreich krankhaft in Kombination zum Amtsgeheimnis), an Bürokratie und Steuern?

tldr;

Das Europäische Parlament will auf Druck von Verlagshäusern Google zerschlagen. Ich “freue” mich schon jetzt auf den damit verbundenen Wegfall der Gratisangebote wie Mail oder Drive. Andere IT-Konzerne sollten der EU vielmehr Dorn im Auge sein, aber die kooperieren letztlich mit den Inhabern geistigen Eigentums.

business

100 Tage selbständig

In den vergangenen Wochen höre ich immer wieder ein und dieselbe Frage: “Wie geht’s dir in der Selbständigkeit?” Die Frage klingt immer entweder etwas neidisch oder ziemlich besorgt. Es kommt ganz darauf an, ob jene fragen, die sich in ihrer Arbeitswelt gefangen fühlen, oder jene, die deren Sicherheit schätzen.

Kurzum: Mir geht’s sehr gut, ich bin weder verhungert noch blicke ich reumütig auf meine Entscheidung, zu gehen, zurück.

Meine Gesellschaft, die c99 Business Services GmbH, hatte inzwischen ihren ersten Geburtstag und kann sich über Bilanzgewinn und daher einen ordentlichen Zahlschein vom Finanzamt freuen. Mit sieben Kunden konnte ich sehr unterschiedlich gelagerte Projekte durchführen bzw. laufen einige davon ja noch. Und nein, mein ehemaliger Arbeitgeber ist keiner dieser sieben Kunden, womit ein oft vorgetragener “Vorwurf” entkräftet wäre.

Mit Exportanteil von knapp unter 30% wurde im ersten Jahr sogar etwas für die Exportwirtschaft getan, und ich kann behaupten, dass ich einen Arbeitsplatz geschaffen habe – vorerst nämlich meinen eigenen.

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Office – vor der Eröffnung. Inzwischen gibt es hier Boden, Leuchten und Arbeitstische.

Nach kurzer, aber schlimmer Zeit im home office wurde Anfang Juli in der Paulanergasse 8 das Büro bezogen. Zwischenzeitlich war ich auf einer Konferenz in Kanada, bei einem Workshop in Berlin, beratend in Hamburg und bald arbeite ich in Prag und Bratislava. Es ist also spannend!

Weniger Stress

Ich kann nicht behaupten, die Selbständigkeit wäre eine große Umstellung gewesen. Bereits an der WU durfte ich eigenverantwortlich handeln. Ich bin nun allerdings weniger interrupt driven, muss also weniger auf e-Mails und Telefonanrufe reagieren, als dass ich die Impulse selbst setze. Das führt dazu, dass auch mal einen Tag gar nichts passiert.

Und das führt zu merklich weniger Stress, auch wenn (oder eben weil?) die Arbeitszeiten nun noch unregelmäßiger als bisher sind. In Summe arbeite ich etwas weniger Stunden, aber in dieser Zeit deutlich intensiver. Mir unliebe Dinge musste ich bislang kaum machen.

Weniger Geld

Im früheren Arbeitsleben habe ich gut verdient. Insofern war das Thema Einkommen ein äußerst wichtiges Kriterium bei den Überlegungen zur Selbständigkeit.

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Die Rocket Giotto Evoluzione v2 – das teuerste Anlagevermögen im Unternehmen.

Vorsichtig kalkuliert muss ich nun 2000 EUR in der Woche Deckungsbeitrag erwirtschaften, um mein bisheriges Einkommen langfristig zu halten. Das bedeutet nicht, dass ich früher so gut verdient hätte. Ich muss nun aber für Büro, Hard- und Software, Infrastruktur, Sozialversicherung, Steuern und Abgaben, die Steuerberatung oder meinen Kaffeekonsum selbst aufkommen – und das auch wenn ich urlaube, in Schulungen sitze, krank bin oder bei Kunden Leerkilometer laufe.

Der Unterschied zwischen Umsatz und Netteinkommen ist somit frappierend – eine Tatsache, die Unselbständigen mit dem unsäglichen Dientsgeberbeitrag sehr gut versteckt wird.

Mehr Geld?

Eines ist schon jetzt klar: Mit dem bisherigen Geschäftsmodell – Individualberatung rund um das Thema Softwareentwicklungsprojekte – werde ich nicht reich. Irgendwo ist der erzielbare Stundensatz ausgereizt und den kann man nunmal nur mit einer gewissen Stundenanzahl multiplizieren ohne sich selbst zu zerstören. Skalieren würde das Vehikel mit dem Hinzufügen von Mitarbeitern, was angesichts der aktuellen Auftragslage in greifbarer Nähe ist. Schau’ ich mir allerdings das Thema Lohnnebenkosten und vor allem sonstige Anforderungen an einen Dienstgeber an – ich sitze derzeit etwa auf einer Baustelle, die ein Arbeitsinspektorat für meine Mitarbeiter nicht akzeptieren würde – dann ist das Risiko zu hoch.

Weniger Risiko (=Innovation)

Auch wenn junge Unternehmen oder – das leidige Thema! – Startups in aller Munde sind: Nicht alles ist Gold, was glänzt. In meiner alten Arbeitswelt saß ich mit hervorragenden Ressourcen ausgestattet in einer Position, die mir viel Raum zur Innovation ließ. (Die letzten drei Jahre dieses Blogs handeln letztlich davon.) Das bedeutete neben allen bürokratischen Mühen einen enormen Hebel, der nun fehlt. Mit dem Druck Umsatz zu machen, sind “Spielereien” derzeit ein Nischenthema. Das ist für den langfristigen Erfolg des Unternehmens wohl genau so schlecht, wie für den Spaß an der tagtäglichen Arbeit.

tldr;

Nach 100 Tagen Selbständigkeit sage ich: Der langfristige Spaß ist wichtiger, als ob man letzlich an die Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft sein Geld überweist, oder dies dem Dienstgeber überlässt. Für mich passt’s.